Taugt das Internet als Tanzlehrer?

Knapp eine Million Treffer liefert mir Google zum Suchbegriff «Tanzen lernen im Internet». Von Anfängerschritten bis zur komplizierten Figur bekomme ich alles. Kann man also im Internet tanzen lernen? 

Kann das Internet den Tanzlehrer ersetzen?
Bildlegende: Zwei Frauen in Tanzkleider schauen sich ein Video auf dem Handy an. Colourbox

«Natürlich kann man Sachen ab Videos lernen, aber man bekommt von ihnen kein Feedback», sagt Titus Capaul. Er ist Präsident von «Swissdance», dem Tanzlehrer-Verband der Schweiz. Die Wahrscheinlichkeit, dass man etwas Falsches lerne sei relativ gross.

Jeder kann ein Internetlehrer sein

Dass das persönliche Feedback wichtig sei, unterstreicht auch Simon Walti. Er ist Hip-Hop-Tänzer bei Special Elements, die Gruppe belegte 2012 den vierten Platz bei den «grössten Schweizer Talenten» und betreibt eine eigene Tanzschule. Tanzschritte aus dem Internet abkopieren, müsse aber nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, sowohl Anfänger wie auch für erfahrenen Tänzer, sagt er: «Ich denke für beide Seiten hat es etwas Gutes.

Hemmungen abbauen

Die, die schon länger Tanzen, finden im Internet Inspiration – und bei Anfängern kann es helfen, Ängste abzubauen. Wenn man noch nie getanzt hat, hat man vielleicht Hemmungen, in ein Tanzstudio zu gehen, wo alle bereits tanzen können. Da kann es helfen, wenn man mit einem Youtube- Video bereits einige Schritte gemacht hat.

Die richtige Wahl machts aus

Das Internet ist geduldig, da kann jeder seine Videos raufladen unabhängig davon, wie gut der Inhalt ist. Beide Tanzlehrer betonen darum, wenn man Videos zur Inspiration im Internet suche, solle man wirklich nur solche von ausgewiesenen Fachpersonen anschauen: «Ich hatte bereits mehrfach Hochzeitpaare, die per Internet einen Tanz gelernt haben, so falsch, dass ich eigentlich nichts mehr machen konnte», sagt Titus Capaul lachend.

Aufwändige Choreographien im K-Pop

Dass es nicht ganz unmöglich ist, im Internet tanzen zu lernen beweist aber die K-Pop-Bewegung. K-Pop steht für Koreanische Popmusik, diese Boy- und Girlbands sind auch hierzulande bekannt, vor allem bei der jüngeren Generation. Zur Musik gehören auch aufwändige Tanzchoreographien, die von den Fans gelernt werden. K-Pop wird bis jetzt noch in keiner Tanzschule unterrichtet, dafür treffen sich die Jugendlichen regelmässig in der ganzen Schweiz zum gemeinsamen Tanzen. Im Moment kann man K-Pop in der Schweiz noch in keiner Tanzschule offiziell lernen – wahrscheinlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend vom Tanzparket im Internet in die realen Tanzschulen übergeht. Und dann werden wohl auch viele dieser Jugendlichen sich gerne den Rat und die Expertisen der Fachleute holen.

Autor/in: Catherine Thommen, Redaktion: SRF1