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Gefährliche schnelle E-Bikes? Die Zahlen und Fakten
Aus Kassensturz vom 09.04.2019.
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Gefährliche schnelle E-Bikes Gehören schnelle E-Bikes auf die Strasse?

Das wichtigste in Kürze

  • Schnelle E-Bikes mit 45 km/h gelten als Motorfahrräder. Sie müssen Velowege und Mischzonen benutzen.
  • Wegen der höheren Geschwindigkeiten verunsichern die E-Bikes viele Velofahrer und Fussgänger.
  • Der Verband Fussverkehr Schweiz fordert: Diese E-Bikes gehören auf die Strasse, weg von den Velowegen.
  • Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) ist dagegen. Laut Statistik sind schnelle E-Bikes nicht gefährlicher für andere. Auf der Strasse wären die FahrerInnen aber deutlich gefährdeter.

Im letzten Jahr war jedes dritte verkaufte Velo eines mit einem Elektromotor. Der grösste Teil davon sind E-Bikes, die bis 25 km/h unterstützen. Doch der Anteil der schnellen E-Bikes, die bis 45 km/h fahren, ist beträchtlich.

Über 100'000 schnelle E-Bikes unterwegs

Seit 2011 werden die Verkaufszahlen für die beiden Kategorien getrennt erfasst. Seitdem wurden über 118'000 schnelle E-Bikes verkauft (siehe Jahresstatistiken von Velosuisse, Link öffnet in einem neuen Fenster).

Kuchendiagramm verkaufte E-Bikes nach Tempo
Legende: Seit 2011 wurden insgesamt 549'159 Elektrovelos verkauft. SRF

Diese schnellen E-Bikes polarisieren – vor allem auf Velowegen und Mischzonen. Denn: Weil die Gefährte rechtlich als Motorfahrrad gelten, müssen sie zwingend die Veloinfrastruktur benützen. Also Velowege und Fussgänger-Mischzonen.

Fussverkehr Schweiz: «Die gehören auf die Strasse!»

Dies sei inakzeptabel, sagt Thomas Schweizer, Geschäftsleiter des Verbandes Fussverkehr Schweiz. «Je grösser die Geschwindigkeitsdifferenzen, desto gefährlicher. Und schnelle E-Bikes führen zu gefährlicheren und schwereren Unfällen.»

Gerade ältere Leute hätten Angst, sie würden von den schnellen Gefährten überfahren. Der Verband fordert deshalb in einer Motion, Link öffnet in einem neuen Fenster, dass schnelle E-Bikes neu als Kleinmotorräder gelten. So dürften sie nicht mehr auf Mischzonen und Velowegen fahren. Sie müssten zwingend auf die Strasse. Der Bundesrat ist gegen diese Umklassierung. Entscheiden wird das Parlament.

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BfU: Stefan Sigrist
Aus SRF News vom 09.04.2019.
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BfU: Schnelle E-Bikes verursachen nicht mehr Unfälle

Die Unfallstatistik zeigt aber überraschend: Lenkerinnen und Lenker schneller E-Bikes verursachen auf der Veloinfrastruktur (dazu zählen auch Mischzonen) nicht mehr Unfälle. «Es sind weniger als ein Prozent der Unfälle von Velofahrern, die wegen eines schnellen E-Bikes verursacht werden», sagt Stefan Siegrist, Direktor der BfU.

Aber: Fahrerinnen und Fahrer schneller E-Bikes sind selbst gefährdeter. Grund ist die höhere Geschwindigkeit. Die BfU ist deshalb gegen die Verbannung der schnellen E-Bikes auf die Strasse: «Sie wären stark gefährdet, wenn sie mit den Autos auf den gleichen Flächen müssten fahren. Dort wären die Geschwindigkeitsdifferenzen viel, viel grösser», so Siegrist.

«Espresso» vom 09.04.19

  • Frisierte E-Bikes haben auf der Strasse nichts verloren

    Sie heissen Speedbox oder Speedclip und sorgen für zünftig Schub: Mit ihnen lassen sich Elektrovelos frisieren. Der Handel mit solchen Geräten ist legal, allerdings darf man mit einem frisierten E-Bike nicht auf die Strasse. Wer erwischt wird, dem droht eine happige Busse. Zudem verliert man bei einem Unfall mit einem frisierten Elektrovelo allenfalls den Versicherungsschutz, der Garantie-Anspruch fällt weg. Der Verband der Schweizer Velolieferanten will Händler auf die Thematik sensibilisieren. Auch sie können zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie an frisierten E-Bikes Reparaturen vornehmen.

Pro Velo: Situativ auf Strasse ausweichen

Auch Pro Velo ist dafür, dass schnelle E-Bikes weiterhin die Velo-Infrastruktur benutzen müssen.

Aber nicht immer: Denn oft seien Velowege zu schmal, dass schnelle E-Bikes langsamere Velos sicher überholen könnten, sagt Pro-Velo-Geschäftsführer Christoph Merkli. «Darum wäre es sinnvoll, dass die schnellen Elektrovelos je nach Situation auf der Strasse fahren dürfen.»

Bern baut 100-Kilometer-Netz an breiten Velowegen

Um die Konflikte zu entschärfen, brauche es generell mehr Platz für Velos, sagt der Stadt-Berner Verkehrsplaner Karl Vogel. Im Rahmen der sogenannten «Velo-Offensive» will die Stadt Bern 100 Kilometer extrabreite Velo-Routen errichten.

Vogel will explizit auch die schnellen E-Bikes fördern. «Auf jeden Fall, denn Zweiradverkehr braucht nicht viel Fläche. Und dazu gehören auch die schnellen E-Bikes.»

36 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Fehlende Rücksichtnahme ist der Kern des Problems. Wenn ich mit meinem schnellen E-Bike auf dem Veloweg fahre, ist die Geschwindigkeit angepasst. Kommen Fussgänger in Sicht wird nochmals reduziert und auch mal rechtzeitig geklingelt. Fahre ich mit dem Auto, werden Velos und E-Bikes mit ausreichend Abstand überholt, und nicht wie selber des öfteren erlebt, geschnitten! Der richtige Helm für ein schnelles E-Bike, entspricht im übrigen der Norm NTA 8776.Man muss keinen Integralhelm tragen.
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  • Kommentar von Jimmie Dimmick  (Jimmie)
    Früher wurde ich ständig kontrolliert mit dem Töffli. Und wehe es lief schneller als 35 kmh, das gab es eine saftige Busse ausserdem wurde der Motor eingestanzt. Geschweige von der Helmpflicht. Heutzutage flitzen die E-Bikes locker mit 50 kmh an mir vorbei. Natürlich ohne Helm. Und hab noch nie eine Polizeikontrolle gesehn. Ist irgendwie nee...
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  • Kommentar von Gabi Gugger  (gabi.gugger)
    Ich fahre seit 4 Jahren ein 45er E-Bike. Es hilft bis 45km/h zu unterstützen. Meine Komfortzone beträgt etwa 30-35 km/h. So schnell fährt aber auch mein Gatte ohne jegliche Unterstützung. 6000km pro Jahr fahre ich mit dem E Bike zur Arbeit, fahre auch Auto, Velo, ich bin auch Fussgänger und der Meinung, dass jeder Verkehrsteilnehmer seine Verantwortung wahrnehmen muss, egal wie er sich im Verkehr vorwärts bewegt. Leider gibt es bei allen Verkehrsteilnehmern Egoisten, die nur an sich denken.
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