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Nathalie
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Gilbert Becaud Kalter Krieg im Schlagergewand

In seinem Lied «Nathalie» beschreibt Gilbert Bécaud die Turteleien eines französischen Touristen mit einer russischen Fremdenführerin inmitten des kalten Kriegs. Im französischen Original ein sehr politischer Liedtext, der auf Deutsch leicht abgeändert wurde.

Wenn man es genau nimmt, sprengt Gilbert Bécaud mit seinem Lied «Nathalie» ja die Grenzen des Schlagers, wo politische Statements verpönt sind. 1964 ist der kalte Krieg noch voll im Gange. Um sich gegen die USA in eine stärkere Position zu bringen, nähert sich Frankreich der Sowjetunion. Diese Ausgangslage bildet also das Fundament für Bécauds Chanson.

Völkerverständigung gepaart mit Romantik

Während einer Stadtführung durch Moskau begegnet ein französischer Tourist der Fremdenführerin Nathalie. Zusammen sinnieren sie auf dem roten Platz über die Oktoberrevolution. Später treffen sie auf eine Gruppe Studenten, mit denen sie bei Tanz und Champagner feiern. Zuletzt träumt der französische Tourist davon, wie er als Fremdenführer Nathalie sein Paris präsentieren kann.

Bécaud spielt Klavier mit Zigarette im Mund.
Legende: Wegen Bécauds Chanson wurde Nathalie während zehn Jahren äusserst beliebt als Vorname für Mädchen. Keystone

Detailverliebtes Original

Auch auf Deutsch brachte Bécaud eine Version seines Chansons heraus. Sie hält sich sehr ans französische Original. Ein paar Unterschiede fallen unserem Schlagermosaik-Experten Roger De Win jedoch auf. So wird aus französischem Champagner Krim-Sekt. Auch Erwähnungen über ukrainische Felder, Moskau und die Champs Elysées finden in der deutschen Übersetzung keinen Platz mehr. De Win vermutet, dass der deutsche Texter nicht auf das französische Savoir Vivre eingehen wollte. Grundsätzlich ist der Originaltext detailverliebter. So wird auf Französisch z.B. bildhaft beschrieben, wie der Rote Platz von weissem Schnee zugedeckt wird, während es auf Deutsch in Moskau einfach kalt ist.

Zeitzeuge

Das Lied wird im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Untersuchungen immer wieder gerne zitiert. Es widerspiegelt die Hoffnungen und Vorstellungen der Menschen der 1960er- Jahre, und gilt somit als Zeitdokument. Das ist quasi die Krönung, die ein Schlager, respektive ein Chanson, erreichen kann.

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