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Bauer sein, trotz allem
Aus Input Story vom 27.05.2020.
abspielen. Laufzeit 22:05 Minuten.
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Jungbauern leiden unter Kritik «Ich hätte fast meine Ausbildung zum Bauern abgebrochen»

«Ihr verschmutzt die Umwelt»: Diesen Vorwurf hört öfter, wer in der Landwirtschaft tätig ist. Wir konfrontieren Jungbauern mit der teils heftigen Kritik. Wie gehen sie damit um?

Besonders die Haltung von Rindvieh und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sorgen immer wieder für kontroverse Diskussionen.

Eine Umfrage von SRF unter Jungbäuerinnen und Jungbauern zeigt: Was ihnen an der Kritik besonders zu schaffen macht ist, dass diese tendenziell alle Bauern in den gleichen Topf wirft und ihnen zudem unterschwellig die alleinige Schuld an der Verschmutzung des Trinkwassers und am Ausstoss von Treibhausgas zuschiebt.

Als die letzte grosse Welle an Kritiken an uns Bauern kam, überlegte ich mir, meine Ausbildung zum Bauern an den Nagel zu hängen.
Autor: Andreas Bänninger, EmbrachLandwirt, 26

Pflanzenschutzmittel und Kühe im Fokus

Anstoss zur Kritik ist unter anderem der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PMS) in der Landwirtschaft, oder – wie die Kritiker sagen – von Pestiziden.

Traktor mit Sprühvorrichtung besprüht Feld mit Pflanzenschutzmitteln
Legende: Pflanzenschutzmittel sind ein Aufreger und werden von Kritikern als Pestizide bezeichnet. Keystone

«Ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist die jetzige Nahrungsmittelproduktion nicht möglich», sagt beispielsweise Benjamin Herzog von Entlebuch.

«Wenn wir Pflanzenschutzmittel einsetzen, halten wir uns an die Vorgaben und machen damit nichts Illegales», sagt Jungbauer Andrian Bucheli von Ruswil.

Es ist deshalb nicht fair, dass man mit dem Stinkefinger auf uns zeigt, wenn wir mit der Spritze ins Land fahren.
Autor: Adrian BucheliJungbauer aus Ruswil

Wer kritisiert die Bauern?

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Kritisiert werden die Bauern vor allem von politisch linken Kreisen, sowie von verschiedenen Umweltverbänden. Markus Ritter, der Präsident des Schweizer Bauernverbandes, spricht zudem von einem eigentlichen «Bauern-Bashing», das in Mode gekommen sei.

Durch die hängigen Umweltinitiativen angeregt, tauchen auch regelmässig kritische Kommentare in den Sozialen Medien auf.

Kuhherden können nicht beliebig verkleinert werden

Einig sind sich die Jungbauern darin, dass der Ertrag ohne Schutz sinkt, damit auch das Einkommen geringer wird und es sich irgendwann nicht mehr rechnet und die bäuerliche Existenz im jetzigen System bedroht ist.

Auch könne man eine Kuhherde aus dem gleichen Grund nicht beliebig verkleinern.

Wenn wir unser Getreide nicht gegen Pilzbefall schützen, kann das Getreidestroh bei unseren Schweinen Totgeburten verursachen.
Autor: Karin Mattmann, GrosswangenBäuerin und Agronomin

Die Rolle des Konsumenten

«Die Leute sind sich gar nicht bewusst, wie anspruchsvoll es ist, Nahrung zu produzieren; in guter Qualität und ausreichender Menge», sagt Bauer Thomas Seeholzer von Meierskappel. «Haben Äpfel beispielsweise Flecken, dann kaufen die meisten Konsumentinnen und Konsumenten diese nicht», so der Jungbauer.

Die Sendungen zum Thema

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Im Podcast «Input Story» fragen wir, wie es sich mit dem Image, für die aktuellen Umweltprobleme verantwortlich zu sein lebt? Schweizer Bauern werden für die Verschmutzung der Bäche und Flüsse verantwortlich gemacht und man wirft ihnen vor, mit ihrem Rindvieh die Umwelt mit zu viel Treibhausgasen zu belasten.

Die Hintergrundsendungen «Input» und «Doppelpunkt» nehmen am Sonntag 31. Mai und Dienstag 2. Juni das Thema auf und befragen zudem Fachleute für Treibhausgase und Pestizide zu Reduktionsmöglichkeiten bei der Entstehung bzw. beim Einsatz.

Das Gespräch suchen

Die Jungbauern wünschen sich, dass sie mit den Konsumentinnen und Konsumenten vermehrt ins Gespräch kommen. Damit hätten sie eine Chance, diese zu informieren, Halbwissen aus dem Weg zu räumen und über die Abläufe und Zusammenhänge bei der Produktion von Lebensmitteln aufzuklären.

Hofläden böten dazu eine gute Gelegenheit. Aber auch ein Besuch auf einem Hof mit einer Führung sei dazu geeignet.

Bauer Thomas Seeholzer bei seinenKühen im grosszügigen Laufstall
Legende: Thomas Seeholzer, Meierskappel, Mutterkuhhaltung: «Auf unserem Hof zeigen wir die Abläufe und Zusammenhänge und auch, was wir für die Nachhaltigkeit und für das Tierwohl tun» SRF / Jürg Oehninger

Kritik überlagert Lob

In der aktuellen Coronakrise ist auch für die Schweizer Landwirte nicht alles wie sonst. Neben aller Kritik erleben sie nämlich im Moment eine wohlwollende Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

Man lobt ihre Zuverlässigkeit, schätzt das Lokale in ihrer Produktion von Nahrungsmitteln und dass sie sich für die Landschaftspflege einsetzen.

Dieses gute Image, das die Schweizer Bauern grundsätzlich auch sonst geniessen, wird wohl bald wieder von kritischen Tönen überlagert. Die Diskussion um zwei Initiativen - die eine für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung, und die andere gegen synthetische Pestizide – die im Parlament hängig sind, dürften schon bald wieder thematisiert werden.

Ihre Meinung ist gefragt!

Ist die Kritik an den Bauern berechtigt oder nicht? Schreiben Sie ihre Meinung in die Kommentare.

Morgengast Radio SRF 1, 29. Mai 2020, 7:20 Uhr

7 Kommentare

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  • Kommentar von Konrad Schläpfer  (Koni)
    Als ehemaliger Bauernsohn und Hobbygärtner kann ich nur sagen, ohne Chemie geht gar nichts: Was die Schnecken und Ameisen nicht abfressen erledigen Pilze und andere Schädlinge, Gurken haben falschen Mehltau, die Tomaten Tomatenfäulnis, Die Kirschen haben Würmer von der Kirschessigfliege, jeder Apfel hat einen Wurm und seit 3 Jahren haben meine Apfelbäume noch einen Pilz bei dem verliert der Baum die Blätter schon im August, auch der Buchsbaumzünsler ist ständiger Gast usw.
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  • Kommentar von Arnold Weiss  (A.Weiss)
    "«Wenn wir Pflanzenschutzmittel einsetzen, halten wir uns an die Vorgaben und machen damit nichts Illegales», sagt Jungbauer Andrian Bucheli von Ruswil." - Nur weil etwas nicht illegal ist, heisst das nicht, dass es automatisch gerechtfertigt ist. Gerade weil es bisher eben nicht illegal war, die Umwelt mit Pestiziden zu belasten, ist die Trinkwasserinitiative überhaupt zustande gekommen...
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Neulich: "Wir müssen unbedingt mehr tun, wenn wir die CHer Flora wirklich erhalten wollen" Bauer Seeholzer erklärt, dass in "ausreichender Menge" produziert werden muss. Dh für ein Volk von bald 9, 10, 12Mio. Wer glaubt denn, dass Überbevölkerung keinen Einfluss auf die Arbeit der Bauern, Gewässer, den Artenschwund in Fauna+Flora hat? Jetzt wäre der Zeitpunkt ideal, die Zuwanderung aus aller Welt wieder unter Kontrolle zu bringen und damit Wirtschaft und Bevölkerung sachte schrumpfen zu lassen.
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    1. Antwort von Willi Meier  (wm)
      Es nützt halt überhaupt nichts, wenn wir die Bevölkerungszahl in der Schweiz begrenzen. Die viel zu grosse und immer noch exponentiell ansteigende Bevölkerungszahl ist ein globales Problem, das konsequent totgeschwiegen/verdrängt wird. Das müssen wir so rasch als möglich global in den Griff bekommen.
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    2. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Und sobald die Schweizer Bevölkerung geschrumpft ist, können die Schweizer Landwirte endlich unseren Bananen-, Avocado-, Peperoni-, Orangen-, Meeresfrüchte- und Nussbedarf decken? Oder wie muss man das verstehen?
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