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Hitze in der Stadt
Aus Einstein vom 25.06.2020.
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Hitze ist nicht gleich Hitze Die Wahrnehmung von Hitze hat sich verändert

Der Hitzesommer 2003 war DER Hitzesommer. Damals ging man jedoch von einem seltenen Jahrhundertereignis aus. Erst die Hitze im Jahr 2018 nahmen wir wirklich ernst. Und wie sieht es im Sommer 2020 mit der Hitze aus?

2020 könne ein Hitzesommer werden, prophezeiten einzelne Experten bereits im April. Denn der diesjährige Frühling war tatsächlich sehr warm und trocken. Doch dann kamen Mai und Juni, und damit wechselhaftes, unauffälliges Wetter.

Der Juli 2020 sorgte bis jetzt kaum für Rekorde. Doch nun sind die heissen Tage da.

Hitzesommer 2003, 2015 und 2018 im Vergleich

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Interview mit Stephan Bader, Klimatologe bei Meteo Schweiz:

Was machte den Sommer 2003 zu DEM Hitzesommer?

Beim legendären Hitzesommer 2003 hat die zeitgerechte Hitzelieferung besonders gut geklappt. Bereits der Juni bestand regional zu mehr als der Hälfte aus Hitzetagen. Die Schweiz erlebte schliesslich den massiv heissesten Juni seit Messbeginn 1864.

Auch brachte der Sommer 2003 den absoluten Hitzehammer: Nach der Rekord-Junihitze entwickelte sich in der Schweiz vom 2. bis zum 13. August die gigantischste Hitzewelle seit Messbeginn vor über 150 Jahren.

In Basel stieg das tägliche Temperaturmaximum während zehn Tagen in Folge über 35°C. Mit Unterstützung des Nordföhns wurde zudem auf der Alpensüdseite am 11. August 2003 mit 41,5°C die höchste je in der Schweiz gemessene Temperatur erreicht.

Wie unterschieden sich die Hitzesommer 2003, 2015 und 2018?

Im Gegensatz zum Hitzesommer 2003 entwickelte sich die Hitze in den Sommern 2015 und 2018 später. Die Hitzesommer 2015 und 2018 lieferten im Juni nur ein paar wenige Hitzetage.

Im Sommer 2015 schnellte die Hitze Anfang Juli sozusagen aus dem nichts auf hohe Werte, allerdings nicht ganz so anhaltend. Danach gab es noch einen kräftigen Hitzeschub Mitte Juli und Anfang August.

Im Sommer 2018 kam die grosse Hitze erst gegen Ende Juli. Sie hielt dann aber bis in den August hinein an, so dass die eigentliche Hitzewelle gebietsweise über 14 Tage dauerte.

Kein Schnee an Weihnachten

Unsere Wahrnehmung von Hitze hat sich über die letzten 20 Jahre verändert. Während wir im Hitzesommer 2003 noch über die frühe Verfärbung der Bäume gestaunt haben, bewässerten wir im Hitzesommer 2018 schon wärmeliebende Jungbäume.

Zwischen den Generationen findet ein Wahrnehmungswandel statt. Meine Tochter rechnet nicht mehr mit weissen Weihnachten.
Autor: Roland HohmannSektion Klimaberichterstattung und -anpassung, BAFU

Den Bericht über den Hitzesommer 2018 ergänzte das Bundesamt für Umwelt BAFU erstmals mit dem Kapitel «Kommunikation, Medien und Wahrnehmung». Denn 2018 erreichte die Berichterstattung über Hitze und Trockenheit einen neuen Höhepunkt.

Die Hitze heizt die Berichterstattung an

Im Unterschied zu früheren Jahren flachte das Medieninteresse nach den Sommermonaten nicht wieder ab und blieb auch im Frühling 2019 hoch. Einerseits lag dies an der Klimathematik, die das Wahljahr 2019 prägte, andererseits an einer veränderten Wahrnehmung.

2018 kommen verstärkt erklärende Narrative vor, insbesondere der Klimawandel wird explizit genannt. 2003 und 2015 wurden eher beschreibend einzelne Phänomene auf einer symptomatischen Ebene diskutiert (u.a. Gletscherschmelze, Pegel in Stauseen).
Aus: «Hitze und Trockenheit im Sommer 2018 – Auswirkungen auf Mensch und Umwelt», Bundesamt für Umwelt 2019

Wenn das Land schwitzt, wenn sich Tropennächte aneinanderreihen, wenn die Badis überlaufen und auch der Wald kaum mehr Abkühlung bringt, dann fällt das auf. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Im Gegensatz zur Hitze kommt die Trockenheit aber schleichend.

Versiegte Quellen im 2018

Dass das Wasserschloss Schweiz auszutrocknen droht, wird in der Öffentlichkeit nicht als realistisches Szenario gesehen. Noch nicht. Erst Waldbrände, Wassernot- und Wassertiefstand zeigen den betroffenen Regionen die hässliche Seite der Trockenheit. Sie sind weniger angenehm als die Hitze und weniger gut sichtbar als Hochwasser.

Im Oktober 2018 musste die Rheinschifffahrt wegen Wassermangels eingestellt werden. Für die Schweiz wirtschaftlich ein Problem. Doch die Leute fanden das warme, sonnige Wetter toll.
Autor: Massimiliano ZappaHydrologische Vorhersagen, Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Über die Hitze im 2003 waren Öffentlichkeit und Experten noch erstaunt. Die schnell aufeinanderfolgenden Hitzesommer 2015 und 2018 zeigten uns dann, womit wir in Zukunft rechnen müssen.

Dienstag, 9:20 Uhr, Radio SRF 1;

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