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Legende: Audio Nationalrat diskutiert über Verteilung der Fördergelder abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 11.06.2019.
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Umstrittene Tourismusförderung Marketing ist wichtig – doch der Preis macht's aus

Mehr als 220 Millionen Franken für vier Jahre zur Tourismusförderung – lohnt sich der Grosseinsatz der Bundessubventionen?

Die Schweiz ist eine Reisedestination mit langer Tradition. Dennoch steuert der Tourismus nur knapp drei Prozent zur gesamten Wertschöpfung der Schweizer Wirtschaft bei. Das verarbeitende Gewerbe trägt im Vergleich rund 20 Prozent zum BIP bei.

Problem: Starker Franken

Vor diesem Hintergrund seien die Zahlungen an die Vermarktungsorganisation Schweiz Tourismus eher hoch, sagt Daniel Müller-Jentsch. Der Ökonom befasst sich bei der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse mit Fragen des Standortwettbewerbs.

Kreditdebatte im Nationalrat

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Im Rahmen der Standortförderung schlägt der Bundesrat für die Jahre 2020 bis 2023 einen Kredit von insgesamt 373 Millionen Franken vor. Davon gehen gut 220 Mio. Fr. an Schweiz Tourismus. Mit dem Geld solle die Digitalisierung des Schweizer Tourismus weiter vorangetrieben und damit die Attraktivität des Angebots und der Marktauftritt der Schweiz im Ausland verbessert werden, schreibt der Bundesrat. Der Nationalrat debattiert heute Dienstag über die Vorlage.

Man könne jedoch nicht bloss auf die Wertschöpfung schauen, relativiert der Ökonom. Denn anders als das verarbeitende Gewerbe könnten Hotels und Bergbahnen ihre Kosten nicht ins Ausland auslagern. Der starke Franken trifft sie deshalb besonders hart.

Auch andere profitieren

Zudem nützten die Bundesgelder, die dem Tourismus zufliessen, indirekt auch anderen Branchen. «Die Marke ‹Swissness› wird international in starkem Umfang durch das Tourismus-Marketing transportiert», so Müller-Jentsch. Insofern profitiere nicht nur der Fremdenverkehr, sondern auch andere Branchen in der Schweiz von den Tourismus-Förderungsmillionen.

Dazu gehört etwa die Uhrenindustrie, deren Erfolg ganz direkt mit dem Tourismus verknüpft ist; man denke an all die asiatischen Touristen, die sich in Luzern mit Luxusuhren eindecken.

Wichtig für die Bergregionen

Zudem nehme der Tourismus gerade in den Randregionen wichtige Aufgaben wahr, sagt Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismus-Verbands.

So sei der Tourismus – zusammen mit der Landwirtschaft – dafür verantwortlich, dass die alpinen Regionen besiedelt seien und nicht verarmten. «Deshalb sind die für die Tourismusförderung gesprochenen Beträge sicher gerechtfertigt.»

Tatsächlich sind die Subventionen etwa an die Landwirtschaft um ein Vielfaches höher als jene an den Tourismus. Allein die Direktzahlungen an die Bauern sind zehnmal so hoch, und das bei einer dreimal geringeren Wertschöpfung.

Wandertouristen fotografieren das spektakulär gelegene Restaurant Aescher im Alpstein.
Legende: Wie bringt man trotz starkem Franken wieder mehr Touristen aus Europa in die Schweiz? Keystone Archiv

Neue Ideen sind gefragt

Es stellt sich noch die Frage, wie effektiv Schweiz Tourismus die Millionen einsetzt. In den letzten Jahren zeigten vor allem die Marketingaktivitäten in Asien und Übersee Wirkung. Immer mehr Touristen aus China und den USA entdeckten die Schweiz als Feriendestination.

Trotzdem liegen die aktuellen Gästezahlen in den Bergregionen nach wie vor rund 40 Prozent unter dem Niveau von 2008. Hier liege denn auch die grosse Herausforderung für die nationale Marketingagentur, sagt Ökonom Müller-Jentsch. Schweiz Tourismus müsse «eine neue, moderne Form des Marketings» entwickeln. Diese müsse einem Tourismus-Umfeld entsprechen, welches einem starken Strukturwandel unterworfen sei.

Der Preis spielt die wohl wichtigste Rolle

Bereits hat Schweiz Tourismus das Marketing über die neuen digitalen Kanäle in jüngster Zeit intensiviert. Bis jetzt hat das aber noch nicht dazu geführt, dass die Europäer wieder so häufig in die Schweiz kommen wie früher.

Denn eines ist klar: Auch beim besten Marketing schauen die Deutschen, Holländer und Engländer zuerst auf den Preis. Und der ist nach wie vor hoch für Ferien in der Schweiz.

Umstrittenes Auslandsmarketing

Die Tatsache, dass ein Grossteil der Bundesmittel an Schweiz Tourismus ins Auslandsmarketing fliesst, ist umstritten. Gerade lokale Tourismusorganisationen fühlen sich dabei übergangen. «Wenn es um Gelder geht und darum, wie sie verteilt werden sollen, gibt es immer Diskussionen», bestätigt Verbandsdirektorin Barbara Gisi. Dabei gebe es bei der Verteilung auch immer wieder Änderungen. «Das wird nach gutschweizerischer Manier jedes Jahr diskutiert.»

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Chris Portmaier  (ChrisPortmaier)
    Die Schweizer arbeiten viel zu wenig als das wir uns leisten können in einem Naturpark zu leben, ohne diesen zu kommerzialisieren. Noch lebt sich gut auf Kosten der anderen, das wird sich noch ändern, leider.
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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Zum Glück ist die Schweiz nicht gratis. Sonst hätte Luzern statt 12'000 chinesischen Touristen in 2 Wochen gleich deren 120'000 in 2 Wochen abzufertigen.
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    1. Antwort von Lena Kälin  (flower)
      Glaube ich nicht. China ist sehr weit weg. Das heisst dass eine Reise in die Schweiz ohnehin teuer, aufwändig und stressig wird. Ausserdem können sich Chinesen die hierher kommen das so oder so leisten.
      Der Tourismus aus den Nachbarländern würde aber wieder zunehmen, wenn der Franken nicht mehr ganz so teuer wäre.
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Lena Kälin: Sage ich ja! Wenn nur diejenigen Chinesen kommen, die es sich leisten können, genügt das vollauf. Wenn wir mit den Preisen runtergehen, so dass auch diejenigen kommen, die es sich jetzt wegen der hohen Preise nicht leisten können, dann explodiert die kleine Schweiz. Frankreich hat mehr Platz. Alleine Paris ist vielleicht 100 Mal grösser als Luzern. Zudem, was nichts kostet ist nichts wert. Das Matterhorn und die Kapellbrücke gibt es nunmal nur in der Schweiz; nicht in Österreich.
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  • Kommentar von Oswald Daniel  (dani 1)
    Ferienwohnungen und Camping sind auch in der Schweiz bezahlbar. Nur im Restaurant essen schockiert viele Ausländer. Trotzdem darf unseren Wirten ein grosses Lob ausgesprochen werden. Das Fleisch ist doppelt so teuer, das Personal 3 mal teurer, von der Liegenschaft gar nicht zu sprechen. Alles zusammen staune ich, dass die Restaurants zu diesen Preisen bieten können.
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    1. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      Und wenn man zum Essen ein Glas Hahnenwasser will, mus man dafür teils heftig zahlen. Das verstehen dei Ausländer nicht. Der Kunde will den Wert hinter dem Preis sehen, und das stimmt bei der Preisgestaltung in den Touristik-Restaurants nicht.
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    2. Antwort von B. Moser  (moser.b)
      @Frei, O.K. in NY ist das Wasser gratis und wird einem noch vor der Bestellung aufgetischt, aber es ist auch eine Chlorbrühe, sorry. Und wenn man z.B. auf Youtube Videos von Touris aus dem Ausland sieht, wie sie in Zürich an Brunnen das "Gletscherwasser" abfüllen, dann kann dies nicht das Problem sein.
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