Zum Inhalt springen

Header

Audio
Die Schweiz im Winter bald ohne Strom?
Aus Echo der Zeit vom 06.06.2019.
abspielen. Laufzeit 04:45 Minuten.
Inhalt

Diskussion um Stromflaute Drohen künftig Blackouts im Winter?

Die Elcom befürchtet künftig Engpässe im Winter, doch ETH-Forscher geben Entwarnung: So lange die Importe aus Frankreich und Deutschland möglich seien, gebe es bis 2030 in der Schweiz genug Strom.

Im letzten Jahr fiel der Strom in der Schweiz im Durchschnitt für 23 Minuten aus – ein sehr tiefer Wert im internationalen Vergleich, wie die Elektrizitätskommission (Elcom) anlässlich der Jahresmedienkonferenz ausführte.

Genug Strom ohne AKWs?

Doch Alt Ständerat Carlo Schmid, Präsident der Kommission, befürchtet, dass sich das ändern könnte. Schmid glaubt, dass es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen könnte. In den nächsten Jahren werde sich die Situation verschärfen.

So nähere sich die Schweiz immer mehr dem Moment, an dem die Atomkraftwerke – sie produzieren rund 40 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Stroms – vom Netz genommen werden. «Wir müssen uns überlegen, wie wir im Winter zusätzlichen Strom produzieren wollen», sagt Schmid.

Bereits heute ist die Schweiz in den Wintermonaten auf Stromimporte aus den Nachbarländern angewiesen. Die Elcom warnt davor, dass die Schweiz künftig noch mehr Strom importieren müsse. Gleichzeitig aber könnten Deutschland und Frankreich in Zukunft weniger Strom liefern.

ETH beschwichtigt: Es hat genug Strom

Rein rechnerisch sei die Situation mindestens in den nächsten zehn Jahren unkritisch, entgegnet dazu Turhan Demiray von der Forschungssstelle Energienetze (FEN) der ETH Zürich. Er hat zusammen mit Kollegen der Uni Basel die künftige Stromproduktion in Deutschland, Frankreich und der Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Energie berechnet. «Wenn man die Importmöglichkeit hat, ist es bis 2025, sogar bis 2030 nicht problematisch», sagt Demiray. Dies hätten die Analysen gezeigt.

Den Zahlen widerspricht Elcom-Präsident Schmid nicht. Doch seien bei diesen «hoch technischen» Berechnungen keine politischen Aspekte mit eingeflossen. «Können wir immer auf diese Importe zählen?», stellt Schmid die rhetorische Frage. «Nein, das können wir nicht», kommt er zum Schluss.

Doch es gibt auch noch die Politik

Tatsächlich könne man die nackten Zahlen negativ oder positiv interpretieren, räumt Ingenieur Demiray ein. Sein Team habe die politischen Entscheidungen in Frankreich und Deutschland zur Reduktion von Atom- und Kohlekraft zwar eingerechnet. Noch nicht in Betracht gezogen worden sei die Möglichkeit, dass ein Land den Stromexport in ein anderes Land explizit verweigern könnte.

Neue unpolitische Zahlen zur Versorgungssicherheit auf längere Frist, nämlich bis 2040, wollen die Forscherinnen und Forscher bis im Spätsommer vorlegen.

Dynamische Strompreise als Regulativ?

Dynamische Strompreise als Regulativ?

Teilweise liesse sich die Gefahr von Stromausfällen im Winter mit einer Integration der Schweiz in den europäischen Strommarkt – also mit einem Stromabkommen mit der EU – verkleinern. So würde der internationale Stromfluss effizienter geregelt, die Gefahr von plötzlichen, möglicherweise fatalen Stromlastflüssen wäre kleiner. Doch mit einem Abkommen allein ist noch keine zusätzliche Kilowattstunde Strom produziert. Wenn es also einmal tatsächlich knapp werden sollte, nützt das auch nichts. Doch es gäbe andere Möglichkeiten, auf den Verbrauch von Strom Einfluss zu nehmen, wenn er knapp wird: über den Preis. Die Kilowattstunde Strom würde umso teurer, je knapper der Strom wird. Allerdings könnte der Strompreis so in einem Fall eines windstillen, dunklen und kalten Wintertags drastisch steigen – deshalb wird diese Idee noch etliche politische Debatten provozieren.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

27 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Paul Grunder  (Zimmermeister)
    Der Ausstieg aus der Stromproduktion mit Atomkraft wird schon bald Folgen haben. Die AKW produzieren 50% des in der Schweiz konsumierten Stroms. In 11 Jahren ist aus. Während dieser Zeit plant und baut und finanziert niemand die notwendige gewaltige Infrastruktur der mit erneuerbarer Enegie betriebenen Kraftwerke. Wir werden erkennen, wie wir von Politikern und einer Volksmehrheit ohne Fachwissen in die Irre geführt wurden und werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Wieso schenkt man dem Volk nicht endlich reinen Wein ein?
    Ein Gaskraftwerk für Wintereinsätze ist unumgänglich wenn man die Importstrategie teilweise absichern möchte - am besten staatlich finanziert und betrieben. Je nach Entwicklung der Importstrategie könnten weitere Gaskraftwerke sukzessive zugebaut werden. Zumindest gewinnt man Zeit und Flexibilität, um die technologische Entwicklung zu verfolgen und im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
      Es war vorauszusehen, dass die Energiestrategie 2050 die neuen erneuerbaren Energien viel zu optimistisch einschätzt und Gaskraftwerke einspringen müssen. Windkraft brachte in der Schweiz bisher fast gar nichts (0,3%) und Photovoltaik im kritischen Winterhalbjahr auch nur sehr wenig (1,7%). Die Photovoltaik hat zwar langfristig wesentlich mehr Potential, doch ist zu bedenken, dass Strom in der Schweiz erst ca. 25 - 30% des Energiebedarfs abdeckt. Energiestrategie 2050 Klimapolitik !!!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Das ist absolut unnötig und unwirksam, Hr. Keller. Ein Gaskraftwerk ist vollkommen von Importen abhängig. Unsere AKW's übrigens auch. Sogar der Ausbau von Fotovoltaik ist von Importen abhängig, da in der CH nicht genügend Produkte hergestellt werden für den hiesigen Markt. Was wir wirklich brauchen ist eine dramatische Beschleunigung des Ausbaus von Fotovoltaik. Damit können wir wenigstens mittelfristig die Importabhängigkeit reduzieren, denn die Sonne scheint bei uns auch!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Machen das die Medien absichtlich?
    Immer wieder wird geschrieben, bzgl. Stromsicherheit müsse man ein Strommarktabkommen mit der EU machen. Das stimmt nicht. Technisch und physisch ist die Schweiz schon lange ins europäische Stromnetz integriert, und man kann dies natürlich auch noch verbessern, was auch gemacht wird, weil das auch im Interesse aller europ. Länder ist.
    Ein Strommarktabkommen hat nichts mit der physischen Integration/Sicherheit zu tun. Es geht nur um eine Marktteilnahme.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen