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Urteil gegen Menschenhändlerin Ein Signal an das kriminelle Milieu

Die hohe Freiheitsstrafe des Bieler Gerichtes könnte auch anderen Opfern den Mut geben, zu klagen.

Legende: Audio «Wichtiges Zeichen gegen Menschenrechtsverletzungen» abspielen. Laufzeit 5:51 Minuten.
5:51 min, aus Rendez-vous vom 11.07.2018.

Eine Thailänderin erhält in Biel eine 10,5-jährige Freiheitsstrafe für 75-fachen Menschenhandel. Ein Strafmass, welches Susanne Seytter von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ, Link öffnet in einem neuen Fenster) überrascht: «Wir kennen es aus der Vergangenheit so, dass eher Strafen im niedrigeren Bereich ausgesprochen werden.» Umso mehr sei sie nun erleichtert. Denn das Urteil setze auch ein wichtiges Zeichen gegen schwere Menschenrechtsverletzungen dieser Art.

Dürfen Opfer in der Schweiz bleiben?

Die Opfer hatten selbst gegen ihre Landsfrau geklagt und sagten vor Gericht aus. Ob nach dem Urteilsspruch nun alle zurück nach Thailand müssen, sei die entscheidende Frage, so Seytter: «Denn Opfer von Menschenhandel bekommen in der Schweiz nur für die Dauer des Verfahrens eine Aufenthaltsbewilligung.»

Es ist ein klares Zeichen dafür, dass die Schweiz diese schweren Menschenrechtsverletzungen nicht duldet, dass sie sie verfolgt auch sehr konsequent Urteile spricht.
Autor: Susanne SeytterFachstelle FIZ

Die Vertreterin der Fachstelle für Frauenhandel in Zürich hofft, dass der Staat seine Verantwortung auch über den Abschluss des Verfahrens hinaus wahrnimmt, «und dass er genau hinschaut, ob das Risiko, in ihre Heimat zurückzukehren, für diese Opfer von Menschenhandel nicht zu gross ist».

Harte Strafen als Abschreckung

Einige der Betroffenen sind bereits in ihr Heimatland zurückgekehrt. Ob das Bieler Urteil die Bedingungen, unter denen die Prostituierten in der Schweiz arbeiten, auch generell verbessern kann, wird sich noch zeigen müssen.

«Es ist auf jeden Fall ein ganz klares Zeichen dafür, dass die Schweiz diese schweren Menschenrechtsverletzungen nicht duldet, sie sehr konsequent verfolgt auch sehr konsequent Urteile spricht», sagt Seytter. Insofern sei das auch ein Signal an das kriminelle Milieu und zeige den Tätern: «Das hier ist nicht der Ort, um diesen Verbrechen nachzugehen.»

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11 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Angeschuldigte zeigte weder Einsicht noch Reue, auch Empathie für die Opfer war nicht spürbar. Das Ausmass der sexueller Ausbeutung ihrer eigenen Landsleuten war ausserordentlich massiv. Die 58-jährige Frau lockte arme und meist ungebildete Landsfrauen und Transsexuelle in die Schweiz. Diese Schicksale gehen einem nahe. Ein grosses Lob an Staatsanwältin Annatina Schultz die unermüdlich an diesem Fall gearbeitet hat. Den vielen Opfern wünsche ich, dass ein besseres Leben auf sie wartet.
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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
    Nach zu reichen wäre noch, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, das letzte Wort spricht das Bundesgericht, wann steht in den Sternen.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Da gibts von den Femokratieorganisationen Anleitungen fuer Gelegenheitsfreier, auf Anzeichen von Zwangsprostitution zu achten, und diese zu denunzieren. Und die entkriminalisierten une entkontrollierten Bordeliers sollen davon nix gemerkt haben? In politischen Prozessen wird gar fuer blosse Mitwisser eine Tatbeteiligung konstruiert. Und die die Sexsklavinnen in ihren Bordellen haltenden und auch ihre Freier massiv mitabzockenden Bordeliers sollen weder Mittaeter noch Gehilfen gewesen sein?....
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