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Parteienlandschaft in Bewegung Linker Kannibalismus und rechte Themenflaute

Legende: Video Wahljahr 2019: Öko-Parteien im Aufwind abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 21.02.2019.
  • Rund acht Monate vor den eidgenössischen Wahlen registriert das SRG-Wahlbarometer einen minimen Linksrutsch.
  • Der SVP kommen grosse Wähleranteile abhanden. Die Mitte hat sich – abgesehen von der BDP – erholt.
  • Grosse Gewinner sind die grünen Parteien. Die starke Präsenz der Klimathematik beschert ihnen ein sattes Mehr an Wählern; wobei die Grünen vor allem der Linken Stimmen wegnehmen.

Es ist ein Verlust auf hohem Niveau, den die SVP laut Wahlbarometer einfährt. Mit 27 Prozent Wähleranteil bleibt sie aber stärkste Partei. Trotzdem, das ist immerhin ein Minus von 2.4 Prozentpunkten verglichen mit den letzten Nationalratswahlen im Jahr 2015.

Grund für den Rückgang: Die Schweizer beschäftigten heute andere Themen als noch vor vier Jahren, sagt Politologe Michael Hermann. Er ist Leiter der Forschungsstelle Sotomo, die das Wahlbarometer im Auftrag der SRG erstellt hat. Nebst der Parteipräferenz gaben die Befragten auch an, welches in ihren Augen die drängendsten politischen Herausforderungen sind.

Legende: Video «Verliert das Ausländerthema an Bedeutung, verliert auch die SVP» abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.02.2019.

Das Thema Zuwanderung ist weit nach hinten gerutscht, auf den fünften Platz – hinter die Krankenkassenprämien, die EU, den Klimawandel und die Altersvorsorge. Zuwanderung sei das Kernthema der SVP, so Hermann, «wenn das an Bedeutung verliert, dann verliert auch die SVP».

Der Negativtrend der SVP könnte jedoch schnell drehen, je nach dem, wie sich die Diskussion um das Rahmenabkommen mit der EU entwickelt. «Wenn das zum Wahlkampfthema wird, kann sich die SVP als einzige Partei dagegenstellen und von der Oppositionsrolle profitieren», sagt Hermann.

Legende: Video «Es braucht nicht viel und die bürgerliche Mehrheit kippt» abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.02.2019.

Kampf um Platz zwei

Die andere Verliererin ist die SP. Sie büsst 1.4 Prozentpunkte ein. Das macht das Rennen um die zweitstärkste Partei spannend. FDP und SP liegen aktuell beide bei 17.4 Prozent Wähleranteil. Die FDP kann um einen Prozentpunkt zulegen. Allerdings liegen der Verlust der SP und der Gewinn der FDP im Fehlerbereich der Stichprobe. Die Zahlen sind deshalb zurückhaltend zu interpretieren.

Trotzdem erstaunt es, dass die SP zu den Verlierern zählt. Die steigenden Krankenkassenprämien, ein klar linkes Thema, ist Nummer eins unter den Schweizer-Sorgen. Wieso kann die SP davon nicht profitieren?

Legende: Video «Die CVP konnte das Krankenkassen-Thema besetzen» abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.02.2019.

«Die CVP nimmt der SP die Butter vom Brot», so Hermann. Die Mitte-Partei habe sich mit der Initiative «Kostenbremse im Gesundheitswesen» geschickt positioniert – als bürgerliche Alternative im Kampf gegen die steigenden Gesundheitskosten.

Grün schadet Rot

Paradoxerweise setzt der SP zudem die erstarkte Diskussion um den Klimawandel zu – auch das ein linkes Thema. Profitieren können davon nur die beiden grünen Parteien – der Wähleranteil der Grünliberalen steigt um 1.8 Punkte auf 6.4 Prozent, jener der Grünen um 2.4 Punkte auf 9.5 Prozent.

Legende: Video «Wer grün im Namen trägt, gewinnt» abspielen. Laufzeit 00:32 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.02.2019.

Nur kommen die zusätzlichen Grünen-Wähler eben nicht aus der Mitte, sondern von der SP. «Es ist ein kleiner Weg von rot zu grün», erklärt Michael Hermann. Die Linke kannibalisiert sich quasi selber.

Bürgerliche Mehrheit könnte kippen

Weiter im Sinkflug befindet sich die BDP. Sie verliert verglichen mit den letzten Nationalrats-Wahlen 0.8 Prozentpunkte und landet bei 3.3 Prozent.

Der Blick auf die gesamte Parteienlandschaft zeigt: Die relevanten Verschiebungen finden vor allem innerhalb der einzelnen Lager statt – innerhalb dem Mitte-, dem Links- und dem Rechtslager. Die Linke kann marginal zulegen. Dieser kleine Gewinn könnte jedoch matchentscheidend sein. Dazu der Politologe: «Wenn es bis zu den Wahlen so bleibt, geht die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat verloren».

Die Eckwerte der Umfrage

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Die Datenerhebung zum SRG-Wahlbarometer fand zwischen dem 1. und 7. Februar 2019 statt. Die Befragung erfolgte online. Die Rekrutierung der Befragten fand einerseits über die Webportale der SRG SSR, andererseits via Online-Panel der Forschungsstelle Sotomo statt.

Nach der Bereinigung und Kontrolle der Daten konnten die Angaben von 12‘085 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Da sich die Teilnehmenden der Umfrage selber rekrutieren (sogenanntes Opt-in), ist die Zusammensetzung der Stichprobe nicht repräsentativ. So nehmen typischerweise mehr Männer als Frauen an politischen Umfragen teil.

Deshalb hat Sotomo die Antworten gewichtet: Den Verzerrungen in der Stichprobe wird mittels statistischer Gewichtungsverfahren entgegengewirkt. Neben räumlichen (Wohnort) und soziodemographischen (Alter, Geschlecht, Bildung) Gewichtungskriterien werden dabei auch politische Gewichtungskriterien beigezogen (Stimm- und Wahlverhalten, regionale Parteienstruktur usw.). Durch die Gewichtung wird eine hohe Repräsentativität für die aktive Stimmbevölkerung erzielt.

Der Stichprobenfehler, wie er für Zufallsstichproben berechnet wird, lässt sich nicht direkt auf politisch gewichtete Opt-in-Umfragen übertragen. Die Repräsentativität dieser Befragung ist laut Sotomo jedoch vergleichbar einer Zufallsstichprobe mit einem Strichprobenfehler von +/-1,5 Prozentpunkten.

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