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Bauernverband will Betriebe klimafreundlicher machen
Aus Tagesschau vom 11.07.2019.
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Klimawandel und Landwirtschaft Die Schweiz: Das Land, wo dereinst die Zitronen blühn?

Der Bauernverband skizziert die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft. Die Veränderungen seien tiefgreifend.

«Wir müssen jetzt handeln», sagte der oberste Schweizer Bauer, der St. Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter, an einer Medienkonferenz zum Thema Klimawandel und Landwirtschaft. Der Klimawandel sei längst auf den Bauernhöfen angekommen, warnte der Präsident des Bauernverbands auf einem Betrieb im bernischen Moosseedorf.

Wir werden den Kühen die Fürze und Rülpser nicht gänzlich austreiben können.
Autor: Markus RitterCVP-Nationalrat und Präsident des Bauernverbands

Nun müssten Bauern aktiv etwas fürs Klima tun. Beispielsweise wolle der Bauernverband künftig vermehrt Systeme fördern, die Felder ressourcenschonender bewässern. Ganz CO2-neutral zu arbeiten, sei für Landwirtschaftsbetriebe aber schwierig: «Wir werden den Kühen die Fürze und Rülpser nicht gänzlich austreiben können.»

Interessiert an einer besseren Klimabilanz sei die Landwirtschaft trotzdem, sagte Ritter. Sie selbst sei von den Folgen der Klimaveränderung mit zunehmend extremen Wettereignissen wie Frost, Hagel, Stürmen, langen Phasen mit und ohne Regen und Sommertrockenheit besonders stark betroffen. Der vergangene Hitzesommer habe dies exemplarisch gezeigt.

Ausgetrocknetes Zuckerrübenfeld im Aargau
Legende: Alpweiden ohne Wasser, braune Wiesen – die lange Trockenheit vom letzten Jahr steckt den Bauern noch in den Knochen. Keystone/Archiv

Der Bauernverband zeichnete ein «eher düsteres Bild», bilanziert SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg: «Die Bauern waren stark betroffen von Trockenheit im letzten Jahr. Vor allem diejenigen, die Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Getreide anbauen, auch Heu wurde Mangelware.» Zumal nur ein Viertel der Bauern über die Infrastruktur zur Bewässerung verfüge.

Zwar überwiegen die negativen Folgen des wärmeren Klimas langfristig für den Bauernverband. Es gibt aber auch positive Aspekte: «Die Toskana ist ein wunderbares Landwirtschaftsgebiet – und wir sind auf dem Weg dahin», sagt von Burg.

Wärmeres Klima bietet Chancen

Dank der Klimaerwärmung könnten nun Aprikosen, Feigen, Hirse oder Soja an Lagen angebaut werden, wo dies früher nicht möglich war; und auch die Weine würden dank längerer Wachstumsphase besser, so der Wissenschaftsredaktor: «All das nützt der Landwirtschaft auch. Relativ viele Bauern beginnen nun, zu experimentieren.»

Insgesamt gab sich Bauenverbandspräsident Ritter aber alarmiert: «Wo führt das noch hin? Vor allem die Geschwindigkeit des Klimawandels bereitet mir Sorgen. Wenn es so weitergeht, könnte es noch sehr warm und trocken werden.» Die Bauern schienen sich ernsthafte Sorgen zu machen wegen des Klimawandels, schliesst von Burg.

Skepsis gegenüber C02-Reduktionsziel

Für den Bauernverband ist die laufende Revision des CO2-Gesetzes zentral. Diese soll neu ein konkretes Reduktionsziel für Treibhausgasemissionen festlegen. Viele Massnahmen zur Reduktion dieser Gase seien jedoch nicht ausreichend erforscht, sagte Martin Rufer, Präsident von Agrocleantech, einer Energieberatungsagentur für Landwirte. Er warnte deshalb vor unrealistischen Reduktionszielen. Vielmehr müssten auch die weiteren Sektoren der Wirtschaft sowie die Bevölkerung ihren Teil zur Lösung des Problems leisten.

Die Landwirtschaft leidet allerdings nicht nur unter dem Klimawandel, sie verursacht ihn auch mit. Verantwortlich dafür sind insbesondere die Rinder, die viel Methan ausstossen. Das Klimagas ist viel potenter als CO2.

Welche Rezepte gibt es?

Dazu kommt der Treibstoff, der für die Gewächshäuser und die Traktoren benötigt wird: «Gut 13 Prozent der in der Schweiz produzierten Treibhausgase stammen aus Landwirtschaft. Zählt man die importierten Lebensmittel dazu, ist es doppelt so viel», so von Burg.

Eine Abkehr von Hochleistungskühen, die ohne importiertes Futter auskommen, könnte eine klimaverträgliche Landwirtschaft vorantreiben, ebenso die gemeinsame Nutzung von Landmaschinen: «Denn keine Landwirtschaft ist so stark motorisiert wie die in der Schweiz.»

Doch auch die Konsumenten könnten helfen, die Bilanz zu verbessern. Etwa mit massvollem Fleischkonsum und weniger Foodwaste.

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Thomet  (UTW)
    Herr Lendi, habe zu Permakultur recherchiert. Also die meisten Parzellen sind um die 1000 bis 1500 Quadratmeter gross (1 ha = 10'000m2).
    Im Frankreich werden auf einem Pionierbetrieb 15 (!) Angestellte benötigt, um 1500 m2 zu pflegen. Es dürfen keine fossil betriebenen Geräte genutzt werden, also Handarbeit.
    Die Pilotprojekte in der CH produzieren ausschliesslich Gemüse, also kein Getreide bzw. Brot.
    Ideal zur Selbstversorgung, aber nicht für 8 Mia.
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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Also im Moment brauche ich Mitte Juli eine Jacke. Allerdings habe ich nichts dagegen, wenn wir dafür sorgen das die Weltmeere und die Luft nicht verschmutzt werden. Das sind wichtige Dinge die man anpacken muss. Ob die Temperatur nun wirklich steigt oder nicht ist sekundär und das wird der Mensch in den Griff bekommen.
    Komisch: für etwas das nicht mal sicher ist (Klima) hypen alle rum, aber für etwas das jedes Kind sieht (verschmutzte Meere) tut niemand etwas. Wirft wohl kein Geld ab...
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    1. Antwort von René Rohr  (René Rohr)
      Es heisst Klimawandel, nicht Klimaerwärmung!
      Sie Tom Duran sind das was man einen Klimaleugner nennt.

      Vermutlich würden Sie, wenn Sie im brennenden Haus sitzen auch behaupten, es brennt doch nicht. Aus der Sprenkleranlage kommt doch Wasser um die Temperatur zu regulieren...
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Tom Duran: Ihr Heimätli wo Sie offenbar ein Jäggli brauchen ist eine Einzelbeobachtung von Tausenden. Aus Einzelbeobachtungungen auf das Allgemeine zu schliessen hat nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern mit subjektiver Wahrnehmung.
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    3. Antwort von jean-claude albert heusser  (jeani)
      Genau, die "Panikmache wegen 3-4Wochen Hitze (CH35-39Grad) war schon etwas lächerlich!
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    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ jean-claude albert heusser: Es geht um den langfristigen globalen Trend und der zeigt, statistisch signifikant, nach oben. Ungebremst wird er uns ins Verderben führen. Ausreisser in die eine oder andere Richtung sind bei solchen Phänomen normal. Häufen sich aber die Ausreisser in eine Richtung sind es irgendeinmal nicht mehr Ausreisser, sondern bestätigen den Trend. Das mit dem Jäggli im Sommer ist normal und kam schon immer vor. Aber die 39° im Sommer hatten wir früher nie.
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    5. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Wenn Sie jetzt eine Jacke brauchen ist das Wetterbedingt. Hier geht um den globalen Klimawandel.
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    6. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      @Tom Duran...Wie schön ist doch die Allmachtsfantasie der Schweizer, das globale Klima beeinflussen zu können und zwar mit 1/000 der weltweiten CO 2 Emissionen. und wenn sich damit noch Geld verdienen lässt - um so besser. Das eigene Gewissen ist aleine schon mit der 'richtigen' Einstellung rasch beruhigt.
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  • Kommentar von Ruedi Hammer  (Ruedi Hammer)
    Mit dem geplanten CO2 Gesetz werden mehr Beiträge in die Landwirtschaft umgeleitet. Und die Landwirtschaft ist ortsgebunden. Also ideale Verhandlungsbedingungen für den Bauernverband, seine Zustimmung zum geplanten CO2 Gesetz teuer zu verkaufen. Sonst wäre der Bauernverband doch dagegen. Ach ja, man nennt dies hier Demokratie.
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