Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Gibt es von der evangelischen Kirche bald grünes Licht für gleichgeschlechtliche Ehe? abspielen. Laufzeit 04:36 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.08.2019.
Inhalt

Kirche und «Ehe für alle» «Der nächste logische Schritt in einem langen Prozess»

Gleichgeschlechtliche Ehe entspreche Gottes Schöpfungswillen, sagt Gottfried Locher in einem Interview mit dem Tagesanzeiger. Als Präsident des Schweizerisch Evangelischen Kirchenbundes (SEK) ist er seit 2011 der oberste Reformierte der Schweiz. Theologin Isabelle Noth begrüsst seine klare Haltung. Sie erzählt im Gespräch über den Gesinnungswandel in der Kirche.

Isabelle Noth

Isabelle Noth

Evangelische Theologin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Noth ist Professorin für Seelsorge, Religionspsychologie und Religionspädagogik an der Universität Bern.

SRF News: Was halten Sie von den Aussagen von Gottfried Locher?

Isabelle Noth: Ich habe das Interview mit Freuden gelesen. Seine Analyse ist sehr treffend. Schaut man sich die geschichtliche Entwicklung der vergangenen 25 Jahre in der reformierten Kirche an, ist es ein logischer Schritt.

Ist das ein Schritt in Richtung Anerkennung der «Ehe für alle», wenn der oberste Reformierte solche Aussagen macht?

So funktionieren wir nicht. Selbstverständlich wird es Leuten helfen, sich dieser Anschauung anzuschliessen. Aber am Schluss ist es ein demokratisches Gremium, das entscheidet. Viel interessanter ist aber, wie es zu dieser klaren Aussage gekommen ist.

Es waren eben gerade kirchliche Gespräche, die die Haltung gegenüber der gleichgeschlechtlichen Ehe befördert haben.

1993 hat sich im Emmental der erste Pfarrer als schwul geoutet. Er hatte sich in den Organisten verliebt. Das Thema fand damals zum ersten Mal medial Verbreitung. 1995 war dann die erste Segensfeier für ein schwules Paar, die Klaus Bäumlin in der Nydeggkirche in Bern abgehalten hat. Diese Segensfeier hat den gesellschaftspolitischen Diskurs überhaupt erst richtig befördert.

Kirche mit Regenbogen
Legende: «Wenn sich der Staat zur gleichgeschlechtlichen Ehe hin öffnet, sehe ich keinen Grund, warum die Kirche ihm nicht folgen sollte», sagt Gottfried Locher im Interview. Keystone

Mit Locher hat sich wieder ein Berner für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen.

Genau. Die Schritte wurden zuallererst innerkirchlich initiiert. Es waren eben gerade kirchliche Gespräche, die diese Haltung befördert haben. Ich war von 1994 bis 1998 im Pfarramt, und wir haben nicht mehr darüber diskutiert, ob Homosexuelle eine solche Segensfeier erhalten sollen oder nicht.

Die ersten Schritte wurden innerkirchlich initiiert.

Wir haben plötzlich darüber diskutiert, wie man so etwas konkret umsetzen soll. Das war der entscheidende Perspektivenwechsel in der Kirche: Nicht mehr die Frage ob überhaupt, sondern wie.

Ganz einig sind sich die evangelischen Kirchen aber nicht. Im November ist eine Delegiertenversammlung geplant, wo man sich in dieser Frage einigen will. Hat Locher etwas vorweggenommen?

Es ist die Funktion eines Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, dass er mit einer klaren Haltung vorausgeht. Dass er aber auch selbstverständlich sagt: Am Schluss bestimmt die Delegiertenversammlung.

Gibt es für die Konservativen keinen Platz mehr innerhalb des SEK?

Das steht nicht zur Debatte. Der SEK besteht aus verschiedenen Richtungen. Es ist ja auch auf staatlicher Ebene so: Diejenigen, die bei einer demokratischen Abstimmung verloren haben, gehören danach auch immer noch zur Gesellschaft. Genau so funktioniert es auch in den Kirchen.

Zwei sich küssende Frauen
Legende: «Ich hoffe, der SEK zieht bei der gleichgeschlechtlichen Ehe mit», sagt Theologin Noth. Keystone

Sie befürchten also keine Spaltung der evangelischen Kirchen?

Das wäre sowohl aus theologischer Sicht wie auch aus Glaubensüberzeugung heraus sehr eigenartig. Es handelt sich bei dieser Frage nicht um ein Sakrament, sie betrifft nicht den Kern unseres Glaubens.

Erwarten Sie, dass die Befürwortung der gleichgeschlechtlichen Ehe im SEK durchkommt?

Ich hoffe es. Wenn ich die historische Entwicklung der evangelischen Kirchen beobachte denke ich, dass das die logische Folge eines langen Prozesses des sozialen Wandels ist.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

66 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Irmgard Wiesner  (Irmgard Wiesner)
    Gottfried Locher hat etwas gesagt, eine liberale Theologin hat zugestimmt - für eine ausgewogene Berichterstattung braucht es jetzt noch einen sachlichen Kommentar eines konservativen Theologen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Paul Grunder  (Zimmermeister)
    Ich würde die EHE grundsätzlich abschaffen. Dann soll als Paar -oder nach Ständerat Caroni alles durcheinander - zusammenleben, wer miteinander will. Ansonsten haben wir demnächst die Diskussion, ob die Ehe auch mit Robotern oder Tieren eingegangen werden kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Friedrich  (Farmer)
    Diese Diskussion ist schon interessant. Während die "offizielle" Meinung und Umfragen nahezu einhunderprozentige Zustimmung zur Homo-Ehe suggerieren, offenbart eine anonyme Diskussion mit Zustimmung oder Ablehnung hier allenfalls 50:50. Sollte etwa die veröffentlichte Meinung nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen