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Wie gleichmässig ist das Einkommen in der Schweiz verteilt?
Aus Nouvo SRF vom 11.04.2019.
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Interaktive Karte So ungleich ist das Einkommen in der Schweiz verteilt

Je schöner die Aussicht, desto höher die Ungleichheit: Die interaktive Karte zu den Lohnunterschieden in den Gemeinden.

Wie ungleich ist das Einkommen in der Schweiz verteilt? Das kommt auf die Gemeinde an. Eine Analyse von SRF Data zeigt: Geht es ums Einkommen, gibt es in der Schweiz vier Arten von Gemeinden:

  • Gemeinden mit hohem Durchschnittseinkommen und einer grossen Kluft zwischen den Wenig- und Vielverdienern. Sie befinden sich häufig in Seenähe. Auf der Karte sind sie violett dargestellt.
  • Gemeinden mit tiefen Einkommen aber einer ungleichen Verteilung (rot) findet man oft in Tourismusregionen.
  • Von den Gemeinden mit tiefen Einkommen, die relativ gleichmässig verteilt sind (grau), sind viele ländlich geprägt.
  • Die Gemeinden mit hohem Durchschnittseinkommen und einer gleichmässigen Verteilung (blau) befinden sich im Mittelland, abseits der Zentren.

Gemessen wird der Grad der Ungleichverteilung mit dem sogenannten Gini-Index, Link öffnet in einem neuen Fenster. Beträgt er null, bedeutet dies, dass alle Menschen in der Gemeinde das gleiche Einkommen erzielen. Beträgt er eins, so verdient eine Person alles – alle anderen nichts. Bei den meisten Schweizer Gemeinden liegt der Index zwischen 0.35 und 0.55.

Welche Zahlen sind abgebildet?

Die Zahlen verstehen sich in Franken pro Jahr und Kopf – das «reine Äquivalenzeinkommen». Dieses berechnet sich aus dem Reineinkommen, Link öffnet in einem neuen Fenster (Einkommen nach allgemeinen Abzügen aber vor Sozialabzügen), das man nach einem Schlüssel, Link öffnet in einem neuen Fenster durch die Anzahl Erwachsene und Kinder im Haushalt dividiert. Der erste Erwachsene zählt voll, der zweite halb und ein Kind als 0.3 Personen. Das Einkommen eines Ehepaars mit 2 Kindern wird also durch 2.1 geteilt.

Die Farben wurden so gewählt, dass jede Gruppe ungefähr gleich viele Gemeinden beinhaltet. Die Daten, Link öffnet in einem neuen Fenster stammen von der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV und beziehen sich auf das Jahr 2015.

Die ungleichste Gemeinde

Die ungleichste Gemeinde mit mehr als 1000 Steuerpflichtigen ist Anières im Kanton Genf. Ein Grund für den hohen Wert sind die Steuerprivilegien für Reiche und der hohe Anteil ausländischer Superreicher, die pauschal besteuert werden. Die 2500-Einwohner-Gemeinde kam 2015 in die Schlagzeilen als sie überraschend 120 Millionen Franken Steuermehreinnahmen verzeichnete. Davor betrug das Gemeindebudget lediglich 10 Millionen.

Ins Auge sticht ausserdem der Kanton Wallis:

Nirgendwo sonst finden sich so viele Gemeinden mit einem tiefen Durchschnittseinkommen bei gleichzeitig hoher Ungleichverteilung. Die Walliser Steuerbehörden erklären: «Tourismus-Gemeinden ziehen vermögende Einwohner an, welche im Vergleich zu ‹Einheimischen› höhere Einkommen erzielen. Gleichzeitig sind die Löhne für Angestellte im Tourismus eher tief.» Die betroffenen Gemeinden liegen oft in der Nähe von grossen Skigebieten.

Die gleichste Gemeinde

Am anderen Ende der Skala: Erstfeld im Kanton Uri. In keiner Gemeinde mit mehr als 1000 Steuerpflichtigen ist das Einkommen gleichmässiger verteilt. Pro Kopf beträgt es im Schnitt jedoch nur knapp 34'000 Franken und liegt damit deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt von 42'000 Franken.

Interessant ist der Blick in den Kanton Aargau:

Die Bewohner der meisten Aargauer Gemeinden haben ein überdurchschnittlich hohes Einkommen, das relativ gleichmässig verteilt ist. Dies sei der kantonalen Wirtschaft zuzuschreiben, welche sich stark auf Fachkräfte in verschiedenen Industriezweigen abstütze, sagt Isabel Martinez, Ökonomin an der Universität St.Gallen. Gleichzeitig habe der Kanton Aargau keine attraktiven Tourismus- oder Tiefsteuergemeinden, welche noch besser verdienende Steuerzahler anziehen würden.

Ein Kanton, der genau dies versucht hat, ist Obwalden. Er hat die Steuern gesenkt, worauf viele Gutverdienende in den Kanton gezogen sind. Dass diese Entwicklung auch seine Kehrseiten hat, weiss Max Rötheli, Gemeindeschreiber von Sarnen. Gegenüber SRF sagt er: «Die Immobilienpreise in Sarnen sind gestiegen. Das hat zur Folge, dass junge Familien aus Sarnen weggezogen sind, weil Wohnen für sie zu teuer wurde.»

Wenn Sie wissen möchten, wie es in Ihrer Gemeinde um die Einkommensverteilung steht, suchen Sie sie in der interaktiven Karte:

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65 Kommentare

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  • Kommentar von Theresia Weber  (Resi)
    Welche Zahlen sind abgebildet? Die Zahlen verstehen sich in Franken pro Jahr und Kopf – das «reine Äquivalenzeinkommen». Dieses berechnet sich aus dem Reineinkommen Zufällig klicke ich auf die Gemeinde Montricher im Kanton Waadt, Durchschnittseinkommen CHF 108'008.-. Weiss man welche Person da seit Jahren einen Reitstall besitzt, frage ich mich ob es sich effektiv um ihr Reineinkommen handelt.,,
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  • Kommentar von Daniel Häberlin  (Svensk)
    An und für sich eine interessante Statistik. Aber aus meiner Sicht hat sie einen entscheidenden Fehler, nämlich, dass sie mit dem Durchschnittswert arbeitet. Der ist nicht besonders aussagekräftig. Da kann in einer kleinen Gemeinde mit tiefem Durchschnittseinkommen der Zuzug von nur einer Person mit besonders hohem Einkommen den Wert total verfälschen. Viel aussagekräftiger wäre der Medianwert, der darstellt, wo die Grenze zwischen den höheren 50% und den tieferen 50% aller Einkommen liegt.
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  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    Mann, bin ich froh, dass ich an der Goldküste wohne und zu den Gutverdienenden gehöre. Jeder ist seines Glückes Schmied. Andere können ja die "Gesellschaft" und tausend andere Gründe finden, um ihr Los zu bedauern...
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    1. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Tut mir leid, die Chancengleichheit, die Sie hier preisen, ist eine Illusion. Wie hoch Einkommen und Vermögen einer jeden Person sind, hängt von vielen Faktoren ab, die die Betroffenen nicht selber beeinflussen können. Wer z. B. wohlhabende Eltern hat, kann auf wesentlich mehr Unterstützung zählen (finanziell, sozial und ausbildungsmässig). Und auch die Höhe vieler notwendiger Ausgaben im Alltag legen die Betroffenen nicht selber fest (Mieten, Transportkosten, Krankenkassenprämien etc.).
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    2. Antwort von Roman Kellermeister  (rkellermeister)
      Erzählen Sie mal in kurzen Worten, wie sie ihr Glück „geschmiedet“ haben. Bitte! Haben Sie extrem viel gearbeitet, Opfer getragen oder Risiken genommen? Haben Sie die Karriere vom Tellerwäscher zum.., oder hatten Sie schon etwas Startkapital aus der Familie? Alles ist möglich, legitim, erlaubt. Kein Problem. Aber auch viele wollen Schmiede sein und bekommen nichts, es zur werden. Ich denke, etwas Zusatzinformation würde zulassen, diesen doch „irritierende“ Kommentar zu deuten.
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    3. Antwort von pedro neumann  (al pedro)
      Häberlin: Nach meinen Erfahrungen sind es oftmals, die aus einfachen Verhältnis stammenden, welche später Millionen machen und die verwöhnten Mamisöhnli, welche es völlig verweichlicht nicht mehr auf die Reihe kriegen....
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