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Legende: Audio «Wir Gemüsebauern sind wegen der Ansprüche auf Pflanzenschutzmittel angewiesen» abspielen. Laufzeit 05:59 Minuten.
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 21.08.2019.
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Pestizide im Wasser Ein Bauer erklärt, weshalb er Chlorothalonil braucht

Besonders im Berner Seeland sind Pestizid-Grenzwerte im Trinkwasser überschritten – wegen der Landwirtschaft.

Lauch, Bohnen, Salat, Fenchel, Gurken: Thomas Wyssa ist ein typischer Seeländer Gemüseproduzent. Insgesamt 25 verschiedene Gemüsekulturen wachsen auf seinen Feldern und in seinen Treibhäusern – auch dank Chlorothalonil.

Kurz erklärt: Was ist das Problem mit Chlorothalonil?

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Chlorothalonil ist ein Pflanzenschutzmittel, das erst seit Kurzem als möglicherweise krebserregend gilt. Neuste Forschungsergebnisse kamen zu diesem Schluss. Deshalb hat der Bund das Mittel nun auf die Liste der relevanten Stoffe gesetzt, was bedeutet, dass gewisse Höchstwerte im Trinkwasser nicht überschritten werden dürfen.

Das Mittelland ist von den Chlorothalonil-Rückständen im Wasser besonders betroffen – wegen der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Felder. Das Gebiet erstreckt sich vom Kanton Freiburg, über Bern, Aargau bis Thurgau.

Das Trinkwasser kann im Kanton Bern dennoch bedenkenlos konsumiert werden. «Die Gesundheit ist nicht akut gefährdet», sagt der stellvertretende Kantonschemiker Urs Achermann. Überschrittene Höchstwerte bedeuteten lediglich, dass die Wasserversorger nun handeln müssten. Der Bund prüft derzeit ein Verbot des Pestizids.

«Ich verstehe Chlorothalonil als Pflanzenschutzmittel», so Thomas Wyssa. «Es beschützt die Pflanze vor Pilzbefall, wie zum Beispiel Mehltau.» Er fahre nicht einfach nach Lust und Laune mit dem Traktor auf das Feld und streue das Gift auf die Pflanzen.

Er setze das Pestizid gezielt ein und so wenig wie möglich. Dann nämlich, wenn es wirklich helfe. «Das ist vergleichbar mit Kopfwehtabletten: Die nimmt man ja auch nicht präventiv, sondern erst dann, wenn man bereits Schmerzen hat.»

Weshalb er nicht verzichten kann

Der Einsatz von Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen ist erlaubt – es braucht aber je nach Mittel eine Bewilligung. Wenn eine solche vorliege, müsse man sich als Anwender auf die Behörden verlassen können, dass das Mittel keine Schäden hinterlässt: «Deshalb habe ich kein schlechtes Gewissen, Chlorothalonil zu spritzen», sagt Gemüsebauer Thomas Wyssa.

Um die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten und der Grossverteiler zu erfüllen, müsse das Gemüse nahezu perfekt sein. Bereits kleinste Abnormalitäten werden nicht toleriert. Deshalb sei das Pflanzenschutzmittel wichtig, um das Einkommen zu sichern.

Fenchel in einer Kiste auf dem Erntefeld.
Legende: Fenchel ist eines der Gemüse, das Thomas Wyssa auf seinem Hof in Galmiz im Berner Seeland anbaut. Keystone (Symbolbild)

Die Situation habe sich in den letzten Jahren zugespitzt. Der Landwirtschaft werde oft die Täter-Rolle zugesprochen. Gleichzeitig müsse man immer höheren Ansprüchen genügen: «Bei diesem Konflikt sind wir Bauern mittendrin.»

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Keine Ausflüchte! Es ist eine generelle Haltung und auch die grosszügigen Volks-Subventionen, welche gewissenlose Bauern dazu treibt, seit Jahrzehnten, tonnenweise Chemie (Kunstdünger, Herbizide, Fungizide, Pestizide, Antibiotika und Co), ERDE, WASSER, TIER unnd MENSCH zuzumuten und gesundheitliche Schädigungen in Kauf zu nehmen, Leben zu zerstören! Die ganze Schweizer AGRAR-Politik, ist ein Schande, da zerstörend: Ökosystem - Umwelt - Mensch!
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Frau Casagrande. ihnen ist schon klar, dass ohne Industrielle Lebensmittel - Produktion die Erde niemals 8 Milliarden Menschen einigermassen Ernähren könnte. Da wären wir dann wieder 19. Jahrhundert, als die Landwirtschaft - auch in Europa - nicht einmal halb so vielen Menschen genügend Lebensmittel zur Verfügung stellen konnte.
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    2. Antwort von Marcus Glinz  (Emge)
      selten so arrogantes gelesen! Waren sie schon einmal Bäuerin? Haben sie schon mal ein Hof geführt? Wohl nicht sonst würden sie nicht so daherplappern!
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    3. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Die Elektronik, die Sie und ich täglich zum nutzlosen Schreiben und Lesen solcher unverschämten Kommentare benötigen (früher wäre man dafür eingekerkert worden für viele Jahre), benötigt ebenso viele Tonnen Erdöl, Uran, giftige Metalle und erzeugt dabei radioaktive Abfälle und andere toxische Stoffe. Da ich armseliger Mensch nicht davon lassen kann, uns Sie wohl auch nicht, sollten wir zumindest ein bisschen respektvoller über Drittpersonen schreiben, die ähnlich unfähig sind wie wir.
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    4. Antwort von Alex Kramer  (Kaspar)
      @Schläpfer, das stimmt zahlenmässig grundsätzlich. Nur: Wollen Sie wirklich so weitermachen wie bis anhin?
      Der Zweck heiligt die Mittel und dazu noch das Wachstum?
      Ist es human, seine eigene Lebensgrundlage kaputtzuspritzen um jährlich 2% mehr haben zu können, anstelle etwas weniger Ertrag zu generieren?
      Ich halte es für die grösste Dummheit, die man sich selber antun kann.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Kein echter, verantwortungsbewusster Bauer, würde einen solchen Stumpfsinn veröffentlichen! Logisch, dass nach all den vielen Jahren, der fehlgeleiteten AGRAR-Politik, welche die verschiedenen pharmazeutischen Giftstoffe einer "hirnlosen" Bauernschaft empfahl und diese auch tonnenweise seit Jahrzehnten anwenden - mittels teuren Monstertraktoren, welche die sensiblen Böden und Bodenlebewesen der Mini-Felder im Mini-Land Schweiz zerstören - Natur, Ökosystem, sich zuerst wieder erholen müssen!
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  • Kommentar von Guido Casellini  (CAS)
    Eine ist eine zyklische Sache.....einmal sind es die Pestiziden....einmal ist es Cernobyl oder Fukushima.....alles andere ist Beilage....
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