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«Shira» und «Filippa» – moderne Zeitzeugen der Ewigen Stadt
Aus Rendez-vous vom 03.10.2019.
abspielen. Laufzeit 02:38 Minuten.
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Es wird nicht mehr gebohrt «Endstation Kapitol» für neue Römer U-Bahn-Linie

Roms dritte Metro endet mangels Geld auf halbem Weg direkt unter dem Kapitol. Zwei Bohrmaschinen schreiben Geschichte.

Die Millionenstadt Rom hatte bisher nur zwei U-Bahnlinien. Seit kurzem gibt es nun eine dritte Linie, die von einer grauen Vorstadt über 20 Kilometer bis ins Stadtzentrum führt.

Eigentlich sollte es von dort aus unter dem historischen Zentrum durch bis in ein anderes, entlegenes Aussenquartier weitergehen. Das war der Plan. Doch inzwischen ist das Geld ausgegangen.

Schwieriger Vortrieb durch antike Zeiten

Und weil das Bauen unter der historischen Altstadt Roms äusserst kompliziert ist, da man überall auf antike Kunstwerke, Ruinen oder sonstige Kostbarkeiten stossen könnte, blieb das Projekt viel zu lange in irgendeiner Schublade liegen.

Rom Metro
Legende: Beim U-Bahn-Bau kamen unter anderem die antiken Unterkünfte der Prätorianergarde von Kaiser Hadrian zum Vorschein. Keystone/Archiv

Es gibt derzeit weder Geld noch einen Plan, um die dritte Römer U-Bahnlinie über das Zentrum hinaus weiterzuführen. Das heisst aber auch: Die beiden wackeren Bohrmaschinen mit den Namen «Shira» und «Filippa», die sich von der Vorstadt bis in Zentrum durchgewühlt haben, sind nun plötzlich blockiert. Und das ausgerechnet unter dem Kapitol.

Der Römer Stadtrat erklärte kürzlich, es würde wegen Bewilligungen und Bürokratie Jahre dauern, um doch noch ein Projekt für den Weiterbau der U-Bahn vorzulegen. Dazu kämen Studien zur Stabilität der zahlreichen historischen Kirchen, Palazzi und Gebäude über der geplanten Untergrundbahn.

«Shira» und «Filippa» werden begraben

Und so bleibt nur die Kapitulation: Die beiden Bohrmaschinen werden dort, wo sie gerade im Untergrund stecken, abgestellt, aufgegeben, einbetoniert. Das moderne Rom verewigt sich also quasi an diesen heiligsten Stätten der antiken Stadt – mit zwei abgewrackten Bohrmaschinen, Sondermüll sozusagen. Sie ducken und schämen sich wahrscheinlich ein wenig im Untergrund.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Das hat Symbolcharakter. Während man um historische Bau- und Kunstwerke herum planen musste hinterlässt die heutige Gesellschaft eine Maschine, also gigantisch viel Abfall, aufgrund von Geldmangel für den Sozialstaat. Genial, traurig.
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    1. Antwort von Mike Pünt  (Scientist)
      In 1000 Jahren werden unsere Nachfahren um die Fraks dieser Maschinen herumbauen müssen, um dieses wertfolle Artefakt der Verganenheit zu schützen. Dabei werden ihre Bohrer wieder stecken bleiben usw.....
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    2. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      @Pünt: Glauben Sie, dass in 1000 Jahren noch jemand bohren wird? Ich nicht, leider!
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  • Kommentar von Christian Halter  (Asterix der Gallier)
    Ist das was man in Italien unter "Kreislaufwirtschaft/Archeologie" versteht?
    1. Müll produzieren
    2. Müll Vergraben
    3. Laaange warten
    4. Müll wieder finden und ausgraben
    5. 1-5. Wiederholen
    ...ein immerwährender Kreislauf der historischen Menschheits(müll)geschichte.
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  • Kommentar von Benjamin Knie  (Beno)
    Wirtschaftscrash 2019 scheint sich auf allen Linien breit zu machen. Wir stehen wieder vor dem zweiten Weltkrieg, wo gebaut wurde bis zum Abwinken und als alles wichtige fertig gestellt war, wurde das Bauen abgebrochen und im Rohbau stehen gelassen. Da hörte eine Autobahn mitten auf dem Feld auf und Brückenpfeiler schmückten die Landschaft. Die optische Täuschung einer Wirtschaftskurbel verfloss im Sand und die Herrschaft wurde erhoben. Der Mensch hat nichts gelernt auch nach Jahrhunderten nicht
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