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Legende: Audio Thomas Seibert zu den Reaktionen der Türken zur US-Haltung abspielen. Laufzeit 03:24 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.01.2019.
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US-Delegation in Ankara «Die Türkei wird vorerst nicht in Syrien einmarschieren»

Die USA wollen ihre Truppen nun doch nicht sofort aus Syrien abziehen. Zuerst müsse sichergestellt sein, dass die syrischen Kurden geschützt werden, sagte der Nationale Sicherheitsberater John Bolton auf seiner Reise in die Türkei, wo er in Ankara heute Regierungsvertreter trifft.

Der Truppenabzug der Amerikaner dürfte sich also um Monate verzögern. Das freut die Kurden im Nordosten von Syrien. Bei der türkischen Regierung jedoch stösst die US-Haltung nicht auf Begeisterung, wie der Journalist Thomas Seibert aus Istanbul berichtet.

Thomas Seibert

Thomas Seibert

Freier Journalist

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Thomas Seibert ist seit 22 Jahren Korrespondent für den deutschen «Tagesspiegel» in Istanbul und berichtet auch für andere Medien, unter anderem für Radio SRF. Vor kurzem musste er Istanbul verlassen, weil ihm die Türkei keine Arbeitserlaubnis mehr ausstellen wollte. Etwas später erhielt er wieder eine Akkreditierung.

SRF News: Warum ist die Türkei derart verärgert, dass die US-Truppen nun vorest doch in Syrien bleiben?

Thomas Seibert: Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte im Dezember mit US-Präsident Donald Trump telefonisch vereinbart, wie es nach dem amerikanischen Truppenrückzug aus Syrien weitergehen soll. Danach hatte die Türkei gedacht, sie hätte freie Hand, um in Nordsyrien gegen die Kurden vorzugehen. Doch jetzt stellt sich heraus, dass dem nicht so ist. Das kommt in Ankara nicht sehr gut an.

Erdogan verweigert sich den USA

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Erdogan verweigert sich den USA

Erdogan hat Boltons Forderung nach Garantien zum Schutz der syrischen Kurden am Dienstag scharf zurückgewiesen. «Es ist unmöglich, Boltons Botschaft aus Israel zu schlucken», sagte der türkische Präsident vor den Abgeordneten seiner Partei in Ankara.

Bolton hatte am Sonntag den Abzug der US-Truppen aus Syrien von Garantien für die Sicherheit ihrer kurdischen Verbündeten abhängig gemacht.

Bolton traf am Dienstagvormittag den wichtigsten Berater und Sprecher von Erdogan, Ibrahim Kalin. Ein Treffen Boltons mit Erdogan oder Aussenminister Mevlüt Cavusoglu werde es nicht geben, berichtete CNN Türk.

Was bedeutet die neue Haltung der USA für die Kurden in Nordsyrien an der türkischen Südgrenze?

Die Türkei hat an ihrer Südgrenze bereits Truppen zusammengezogen, um die Grenze zu überschreiten und das kurdische Autonomiegebiet zu zerschlagen. Doch das wird vorerst nicht geschehen. US-Sicherheitsberater John Bolton hat vor seinen heutigen Gesprächen in Ankara klargemacht, dass die Türkei in Syrien nicht intervenieren darf, solange das nicht zu 100 Prozent mit den Amerikanern abgesprochen sei.

Karte von Syrien, eingezeichnet das Kurdengebiet.
Legende: Wenn die USA ihre Soldaten aus dem Kurdengebiet abziehen, entsteht dort ein Sicherheitsvakuum. srf

Worum geht es bei den Gesprächen der hochrangigen US-Delegation mit türkischen Regierungsvertretern in Ankara?

Es geht darum, den von den USA angekündigten, langsamen Rückzug der Soldaten aus Syrien mit den Türken zu koordinieren. Eine Frage ist etwa, was nach dem Abzug der US-Truppen mit dem Sicherheitsvakuum in dem Gebiet geschieht. Die Amerikaner verlangen von den Türken das Versprechen, nicht mit Truppen in Syrien einzumarschieren und gegen die Kurdenmiliz YPG vorzugehen.

Möglicherweise könnten die USA einer Art Sicherheitszone entlang der türkischen Grenze zustimmen.

In der türkischen Presse wird darüber spekuliert, dass die USA womöglich der Bildung einer Art Sicherheitszone entlang der türkischen Grenze auf syrischer Seite zustimmen könnten, um die YPG von der Grenze fernzuhalten. Ob das funktionieren kann, ist allerdings völlig offen.

Auch wenn die USA ihre Truppen vorerst im Gebiet behalten: Zwischen der Türkei und den Kurden im Norden Syriens wird wohl kaum schnell Ruhe einkehren?

Das sieht tatsächlich so aus. Die Türkei will nach wie vor die YPG bekämpfen. Solange die syrisch-kurdischen Kämpfer an der Grenze stehen, wird auch der heutige Besuch der US-Delegation daran nichts ändern.

Das Gespräch führte Claudia Weber.

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