Zum Inhalt springen

Header

Audio
Türkei will Kontrolle in Manbidsch übernehmen
Aus SRF 4 News aktuell vom 21.01.2019.
abspielen. Laufzeit 04:17 Minuten.
Inhalt

US-Abzug aus Syrien Erdogan schielt auf Kurden-Hochburg Manbidsch

Die Türkei hat sich bereit erklärt, in der nordsyrischen Grenzstadt Manbidsch die Sicherheit zu übernehmen. Den Vorschlag hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump gemacht. Dies, nachdem vergangene Woche vier US-Bürger in Manbidsch einem Selbstmordanschlag zum Opfer fielen – den die Terrormiliz IS für sich reklamiert. NZZ-Korrespondentin Inga Rogg glaubt allerdings nicht, dass ein kompletter Rückzug der Amerikaner im Interesse von Ankara ist.

Inga Rogg

Inga Rogg

Journalistin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Inga Rogg ist NZZ-Journalistin und berichtete von 2003 bis 2012 aus Bagdad. 2012 bis 2019 lebte sie in Istanbul und berichtete, ausser über die Türkei, über die Umbrüche und Konflikte in der arabischen Welt, Iran und Syrien, auch für Radio SRF.

SRF News: Was ist Erdogans Ziel, wenn er anbietet, in Manbidsch für Sicherheit zu sorgen?

Inga Rogg: Erdogan betrachtet die Kurden-Miliz YPG, die die Stadt kontrolliert, als Terrororganisation und als Gefahr für die nationale Sicherheit. Er hat mehrfach damit gedroht, in Manbidsch einzumarschieren. Erdogan sagt, dass die Türkei die Sicherheit garantieren könne und sich die YPG aus diesem und weiteren Gebieten abziehen solle.

Karte
Legende: Die Türkei möchte ihre Kontrolle im türkisch-syrischen Grenzgebiet auf Manbidsch ausweiten. SRF

Es gibt für die Stadt auch eine Roadmap. Wie sieht dieser Fahrplan aus, den die USA und die Türkei ausgehandelt haben?

Nachdem Erdogan mehrfach gedroht hat, die Stadt anzugreifen, haben die USA und die Türkei eine Einigung erzielt. Zum einen wollen sie ausserhalb der Stadt gemeinsame Patrouillen durchführen, sozusagen an der Frontlinie. Zum anderen wollen sie gemeinsam Sicherheitskräfte rekrutieren. Diese sollen anschliessend die Kontrolle in Manbidsch übernehmen. Es soll sich um lokales Personal handeln, das von beiden Seiten akteptiert wird.

Die USA haben angekündigt, die eigenen Truppen aus Syrien abzuziehen. Hofft die Türkei, dass sie dann in Manbidsch freie Hand hat?

Für Erdogan und die Türkei ist die Sache meines Erachtens ambivalent. Er hat mehrfach Drohungen ausgesprochen und US-Präsident Trump damit dazu bewegt, einen Truppenabzug zumindest anzukündigen. Letztlich haben die Amerikaner mit ihren Patrouillen und Grenzposten aber auch für Sicherheit gesorgt.

Für die türkischen Truppen wäre ein Einmarsch gefährlich, denn sie würden damit auf feindliches Territorium vorstossen

Sie haben einen Puffer zwischen den verfeindeten Parteien, den Kurden und der Türkei, geschaffen. Ich denke, dass Erdogan gar nicht unbedingt will, dass die Amerikaner ohne Weiteres abziehen. Er will gemeinsam mit ihnen eine Lösung erreichen.

Bereitet sich Erdogan nun auf die Militäroffensive gegen die Kurden vor oder soll es nun doch eine entmilitarisierte Sicherheitszone an der syrisch-türkischen Grenze geben?

Über diese Sicherheitszone wird viel gesprochen. Klar ist aber wenig. Ich denke nicht, dass die Türkei einmarschieren wird. Für ihre Truppen wäre das gefährlich, denn sie würden damit auf feindliches Territorium vorstossen. Es ist fraglich, ob die türkische Armee in der Lage ist, ein derart grosses Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen. Von amerikanischer Seite hiess es nach dem letzten Telefonat zwischen Trump und Erdogan, man setze auf eine Verhandlungslösung. Es wird meines Erachtens in diese Richtung gehen.

Das Gespräch führte Raphael Günther.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Erdogan hat ja schon vor 2 Wochen Waffenverschiebungen an die Grenze gemacht und gab da schon einen Angriff bekannt. Der hält stur daran fest, bis der geeignete Moment gekommen ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alfred Schläpfer  (191.5yenokavan)
    Erdogan ist ja nur einer der widerlichen Machthaber, die zur Zeit am Ruder sind. Und auch er kann auf die Unterstützung seiner Anhänger zählen. Solange der einzelne Bürger, die einzelne Bürgerin eines Staates nicht lernt, sich eine eigene Meinung zu bilden und auch das Handeln des jeweiligen Machthabers und seiner Entourage zu hinterfragen, bleibt unsere Gesellschaft wie von Rainer Mausfeld beschrieben eine indoktrinierte, statt informierte Gesellschaft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Wir erinnern uns an den türkischen Völkermord an den Armeniern. Wenn der Westen diese illegale Besetzung durch die Türkei toleriert, dann ist das nächste Massaker vorprogrammiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen