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Der Widerstand in Hong Kong bleibt
Aus Tagesschau vom 13.06.2019.
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Nach den Protesten in Hongkong «Ich bin stolz und traumatisiert»

Tausende Demonstranten haben am Mittwochmorgen das Hongkonger Parlament belagert. Sie protestierten gegen ein geplantes Gesetz, das Auslieferungen nach China vorsieht. Die Sitzung der Abgeordneten ist vorerst verschoben worden. Der Kampf ist aber noch lange nicht vorbei, sagt die Hongkonger Oppositionspolitikerin Claudia Mo im Interview.

Claudia Mo

Claudia Mo

Hongkonger Parlamentarierin

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Claudia Mo ist eine Journalistin und Politikerin. Sie ist Mitglied des Hongkonger Legislativrats und gehört dem pro-demokratischen Lager an. Als Oppositionspolitikerin kämpft sie für die Unabhängigkeit Hongkongs von China.

SRF News: Was hat sich seit der Regenschirm-Revolution 2014 in Hongkong getan?

Claudia Mo: Die Bewegung endete mit einer Enttäuschung, vor allem für die Jungen. Sie waren ziemlich desillusioniert, weil die Regierung versucht hat, ihre politische Leidenschaft einzudämmen. Sie hat einen der bekanntesten Aktivisten zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das macht den jungen Demonstranten Angst.

Wenn du kämpfst, wirst du vielleicht nicht das bekommen, was du willst. Aber wenn du nicht kämpfst, wirst du es ganz sicher nicht bekommen.
Autor: Claudia MoOppositionspolitikerin

Trotzdem gingen sie gestern wieder auf die Strasse. Was ist dieses Mal anders?

Dieses Mal sind die Behörden zu weit gegangen. Carrie Lam scheint zu denken, dass sich die Hongkonger mit politischer Rhetorik hinters Licht führen lassen. All die Lügen haben die Bevölkerung verärgert. Ich habe die Verzweiflung auf den Gesichtern der Demonstranten gesehen. Und ich war sehr stolz auf unsere Jungen, aber auch traumatisiert von dem, was später passiert ist.

Sie sprechen die Ausschreitungen an, im Vergleich zu 2014 waren die Demonstrationen sehr gewalttätig.

Definitiv. Es war die Polizei, die brutaler vorging.

Claudia Mo, pro-demokratische Parlamentarierin im Legislativrat Hongkong
Legende: Claudia Mo kämpft als Oppositionspolitikerin für die Unabhängigkeit Hongkongs. SRF

Was wurde mit der Demonstration erreicht?

Wegen des Protests wurde die Debatte des Legislativrats um dieses böse Gesetz abgesagt. Die Strohmänner aus Peking trauten sich nicht zum Legislativrat, weil sie Angst vor den Leuten hatten. Eine grosse Menschenmenge hat den Komplex umstellt.

Wen meinen Sie mit Strohmännern?

Das sind Parlamentarier wie ich. Aber die sind bekannt für ihre unterwürfige Art mit China zu verhandeln. Sie sind Chinas «Ja-Männer».

War das jetzt das letzte Kapitel der demokratischen Bewegung Hongkongs?

Das hoffe ich natürlich nicht. Wir müssen weiterkämpfen. Wenn du kämpfst, wirst du vielleicht nicht das bekommen, was du willst. Aber wenn du nicht kämpfst, wirst du es ganz sicher nicht bekommen. Die Jungen sprechen vom Jahr 2047. Dann läuft das Autonomieversprechen für Hongkong aus. Leute wie ich werden dann nicht mehr da sein. Es ist ihre Welt, ihre Zukunft.

Was passiert hier als nächstes?

Nicht viel. Es werden immer noch die Überreste der wüsten Szenen von gestern beseitigt. Die Strassen zum Legislativrat sind gesperrt. Vielleicht wird plötzlich ein neues Treffen angekündigt. Wir würden aber eine Stunde vorher benachrichtigt werden. Genügend Zeit, um sich wieder zu versammeln.

Das Gespräch führte Lukas Messmer.

Grafik zeigt Karte, Fakten und Zahlen zu Hongkong
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4 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    2047 wird China nicht mehr das China sein, welches es heute ist. China wird dann in mindestens zwei Staaten aufgeteilt sein. Gerade der wirtschaftlich starke Süden wird vermehrt demokratisch sein, derweil Peking bleibt, was Peking heute ist: Ein Hort von altgebackenen zurückgebliebenen Sozialisten. Es gibt also Hoffnung für Hongkong nach 2047.
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Die Regierungschefin von Hongkong soll abtreten. Ein solches "Peking-Philie-Theater" hat im einigermassen unabhängigen Hongkong nichts zu suchen.
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    1. Antwort von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
      Abtreten. Das ist nicht so einfach, Herr von Känel.

      Die Regierungschefin Carrie Lam war Wunschkandidatin Pekings. Bereits bei ihrer Wahl kam es zu Protesten.

      Sie verteidigt das umstrittene Gesetz. Und die Demos würden Hongkong schaden, erwähnte sie heftig.

      Bereits letztes Jahr gewährte Deutschland zwei Aktivisten Flüchtlingsschutz, so gelesen in der NZZ. Die Hongkonger leiden und haben Angst - aber sie kämpfen weiter. Sie bangen um ihr gutes Leben.
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    2. Antwort von Kenneth Lüdi  (K.Luedi)
      Herr von Känel,

      Hong Kong war nie unabhängig, wenn genauer in der Geschichte zurückgeblickt wird. Zudem sehen die Amerikaner Hong Kong als „greater Bay Area“. Viel wichtiger ist der Fokus auf die positiven Beziehungen die Peking weltweit führt und ihre grundsätzliche Absicht an einer florierenden, friedlichen und wohlhabenden Welt für alle Menschen. Die Herausforderung China’s eben ist die Einigkeit und da sind solche Aufmüpfigkeiten schlichtweg unbedeutend.
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