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Legende: Audio Exil-Venezolaner verfolgen Geschehen in Heimat gespannt abspielen. Laufzeit 03:40 Minuten.
03:40 min, aus HeuteMorgen vom 04.02.2019.
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Machtkampf in Venezuela Zwischen Angst und Zuversicht

Die drei Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner, die das Land in den letzten Jahren verlassen haben, verfolgen das Geschehen in ihrer alten Heimat.

300'000 von ihnen leben im Süden Floridas. An der Universität von Miami gibt es venezolanische Studentinnen und Studenten, die sich zur «Union Venezolana» zusammengeschlossen haben und auf einen Machtwechsel in ihrer Heimat hoffen.

Das Herz ist in Venezuela

Da ist etwa Astrid. Sie ist aufgewühlt. Die 22-Jährige studiert seit zweieinhalb Jahren Psychologie an der Miami University. «Ich bin zwar da», sagt sie, «aber mein Herz ist dort, in Venezuela, wo ich aufgewachsen bin».

Seit ein paar Tagen ist sie rund um die Uhr in Kontakt mit ihrer Familie in Caracas, aber auch mit ihren ehemaligen Studienkollegen. Diese gehen regelmässig zu Protesten. Und Astrid hat Angst, sie könnten verhaftet oder gar umgebracht werden.

Ich bin zwar da aber mein Herz ist dort, in Venezuela, wo ich aufgewachsen bin.
Autor: AstridStudentin an der Miami University.

Auch die 20-jährige Carol gerät jedes Mal in Panik, wenn in Venezuela Proteste stattfinden – und ihre Eltern während zwei Stunden nicht ans Telefon gehen.

Ihre Kommilitonin Daniela hat Venezuela vor drei Jahren mit ihrem Bruder verlassen. Die Eltern sind heute in Italien. Als sie alle noch in Venezuela lebten, traute sie sich nur noch mit Bodyguards nach draussen – zum Einkaufen oder in die Schule. Gefahr drohte von kriminellen Gangs, aber auch von der Polizei.

Pakete mit Essen, Geld und Medikamenten

Der 19-jährige Chris ist kurz vor seiner Flucht vor zwei Jahren in Caracas von Uniformierten angehalten worden. Sie behaupteten, Marihuana bei ihm gefunden zu haben und erpressten ihn. «Sie sagten mir: entweder zahlen oder Gefängnis», erklärt Chris.

Zur Unsicherheit kommt die Versorgungsnot. Daniela schickt den Grosseltern und Cousins, die zurückgeblieben sind, jede Woche Pakete mit Geld, Essen und überlebenswichtigen Medikamenten. Oft fliegt der Onkel deswegen in die Dominikanische Republik, weil dort rezeptpflichtige Medikamente leichter erhältlich sind.

Alle wollen zurück in die Heimat, denn Venezuela zu verlassen, ist wie sich scheiden lassen, wenn man noch verliebt ist.
Autor: JoanaStudentin an der Miami University

Bei einer Inflation von über 1,5 Millionen Prozent sind Grundnahrungsmittel selbst für die obere Mittelschicht kaum mehr erschwinglich, wenn sie denn überhaupt erhältlich sind. «Jede Sekunde, die das Maduro-Regime länger an der Macht bleibt, bringt Hunger, Not und Tod», sagt Chris.

Eigentlich möchten alle zurück

Und dennoch: Die jungen Mitglieder der «Union Venezolana» spüren wegen der internationalen Unterstützung für Parlamentspräsident Juan Guaidó derzeit auch Zuversicht. Dieses Mal sei es anders. «Endlich Taten statt nur Worte», sagt Daniela.

Unter den jungen Venezolanern in Florida kursiert derzeit ein Video eines landenden Flugzeugs im internationalen Flughafen von Caracas. «Alle wollen zurück in die Heimat», sagt stellvertretend Joana, «denn Venezuela zu verlassen, ist wie sich scheiden lassen, wenn man noch verliebt ist».

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7 Kommentare

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  • Kommentar von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
    "traute sie sich nur noch mit Bodyguards nach draussen –" damit ist ja überdeutlich zu welcher Schicht diese Venezolaner gehören! Korrekt wäre es doch jetzt auch die Meinung der indigenen Bevölkerung zu hören die sich keine Bodyguards leisten können und keinen Umsturz wollen. So könnte man sich ein eigenes/ausgewogenes Bild machen. Oder ist deren Stimme weniger wert?
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  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Besten Dank an die USA, die mit ihrem Handeln bestrebt ist, diesen jungen Menschen eine Zukunft in Venezuela zu ermöglichen.
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    1. Antwort von Stanic Drago  (Putinversteher)
      Was haben Iraker von Zukunft welche ihnen USa geschenkt hat? Oder Libyer, Afghane, Syrer... Einen Land zu destabilisieren um seine Rohstoffe zu plundern ist keine gute Tat. Und niemand von uns hat etwas bekommen, wenn gross Mächte Internationale Recht biegen wie jeden passt. Werden wir in paar Jahre selber merken wenn sich Geopolitische Lage ändert. Alle diejenige welche keine Mühe hatten bei Kosova, haben laut geschrien bei Krim.
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    2. Antwort von Manuel Gerber  (traumant)
      Und alle die laut geschrien haben bei Kosovo, haben geschwiegen bei der Keim, Stanic Drago...
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Superbericht von Herrn Kündig. Fast ähnlich Meldungen erhielt ich auch aus einer direkten Quelle. Scheinbar hat Maduro seine Chergen Ausschwärmen lassen, welche nun mit Motorrädern Menschenjagd auf Regimekritiker machen. Es herrsche ein Klima der Angst, genau wie die Frauen beschreiben. Dennoch gibt es hier im Forum Leute, die alles besser wissen und beschönigen. Traurig!
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