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Laurent Kaiser: «Wir erfahren, was in anderen Ländern unternommen wird»
Aus Tagesschau vom 11.02.2020.
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Fragen zum Corona-Virus «Wenn sich das Virus einnistet, haben wir eine neue Epidemie»

Rund um den Umgang und die Bekämpfung des Corona-Virus haben sich Experten aus der ganzen Welt in Genf an einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) getroffen. Einer von ihnen ist der Schweizer Virologe Laurent Kaiser.

Laurent Kaiser

Laurent Kaiser

Leiter des Labors und Abteilung für Infektionskrankheiten Universitätspital Genf

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Nach seinem Medizinstudium in Genf spezialisierte sich Laurent Kaiser auf Infektionskrankheiten und klinische Mikrobiologie. Er spezialisierte sich auf klinische Virologie an der Universität von Virginia in Charlottesville, USA. 2006 übernahm er die Leitung des Virologischen Labors am Universitätspital Genf (HUG). Seit 2013 ist er medizinischer Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am HUG.

Warum ist das Treffen auch wichtig und nützlich für die Schweiz

Laurent Kaiser: Es ist essenziell für die Schweiz und alle, die bei der Bekämpfung des Corona-Virus mitarbeiten. Das gibt die einzigartige Gelegenheit, die wichtigsten und neusten Informationen von Experten zu erhalten. Die Schweiz ist derzeit nicht betroffen, aber es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass wir keine Coronavirus-Fälle haben werden.

Haben Sie aus dem Treffen bereits neue Erkenntnisse gewonnen?

Es gibt noch viele offene Fragen. Aber als Arzt habe ich schon viel erfahren über Komplikationen der Krankheit oder über mögliche Behandlungen. Im Bereich der Prävention wissen wir jetzt auch mehr, wie wir uns verhalten müssen im Kontakt mit Infizierten oder wie man die Umgebung reinigen muss.

Wir wissen nicht, ob sich das Virus auch überträgt durch Personen, die wir nicht erkennen, weil sie keine Symptome haben.

Was können Sie sagen zur Übertragbarkeit des Virus in Europa?

In Wuhan in China gab es möglicherweise Bedingungen, die die Ausbreitung der Krankheit begünstigt haben. Im Moment breitet sich das Virus in Europa tatsächlich nicht sehr effizient aus. Allerdings haben wir das Problem, dass wir nicht wissen, ob sich das Virus auch überträgt durch Personen, die wir nicht erkennen, weil sie kaum oder keine Symptome haben. Das heisst, wir müssen wachsam bleiben. Wenn sich das Virus schlecht ausbreitet, wenn das Wetter schöner wird, es bessere Luft gibt, könnte die Epidemie verschwinden. Aber das wissen wir nicht sicher.

Was sind für Sie die drängendsten Fragen zum Virus?

Das Wichtigste ist, dass jedes Spital und jede Arztpraxis vorbereitet ist, um Infizierte sofort erkennen zu können und damit die Weiterverbreitung des Virus zu verhindern. Wichtig ist auch zu wissen, ob das Virus auch leichte Krankheiten verursacht wie etwa eine leichte Grippe oder einen Schnupfen. Das sind Infektionen wie sie in der Schweiz im Winter häufig sind und auch übertragen werden, ohne dass wir es bemerkt haben. Denn wir können nicht jede Person mit einem Schnupfen auf das Virus überprüfen.

Wenn sich das Corona-Virus einnistet, werden wir eine neue Epidemie haben.

Wie kann man Symptome des Corona-Virus zum Beispiel von einer Grippe unterscheiden?

Im Moment haben wir da noch keine Lösung. Die vom Corona-Virus ausgelösten Symptome ähneln am Anfang sehr den bekannten Erkältungskrankheiten oder einer Grippe. Im Moment sind es nur Forschungsreisen nach China oder Kontakte mit bereits Infizierten, die uns Hinweise auf das Corona-Virus geben können. Derzeit gilt die Regel, dass man nur Personen, die aus China kommen und solche Symptome der Atemwege haben, testen und isolieren soll.

Wie ernst muss man das Virus nehmen? Herrscht derzeit eine Überreaktion?

Im Nachhinein ist man immer klüger. Ich möchte den Vergleich ziehen zu 2009 und der Schweinegrippe. Die Sterblichkeitsrate war zwar nicht sehr gross. Aber das Virus hat sich über den ganzen Planeten ausgebreitet und verursacht seit 10 Jahren Epidemien. Seither sind viele Menschen daran gestorben, vor allem ältere oder geschwächte Menschen. Wenn sich das Corona-Virus einnistet, werden wir eine neue Epidemie haben. Derzeit ist die Erkrankungs- und Sterberate, die wir aus gewissen Regionen in China kennen, deutlich höher als bei einer Grippe. Auch wenn die Sterberate zwischen 0.1 bis 2 Prozent derzeit vielleicht nicht so hoch scheint – wenn aber Tausende erkranken, haben wir ein wirkliches Problem.

Das Gespräch führte Mirjam Mathis.

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WHO-Konferenz in Genf zum Corona-Virus
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Tagesschau 19:30 Uhr, 11.02.20; srf/matm/manv/kurn;blur

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff  (AndererMeinung)
    Eigentlich weiss man immer noch nicht viel von dem Virus. Und keiner will Falschinformationen verbreiten. Aus China ist aber durchgesickert, dass sich im Kerngebiet des Ausbruchs bei der Behandlung von Infizierten Patienten 500 Personen des medizinischen Personals angesteckt haben sollen, vermutl. wegen unzureichender Schutzkleidung. Quelle: South China Morning Post: > At least 500 Wuhan medical staff infected with coronavirus
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  • Kommentar von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
    Hat er wirklich gesagt die Sterberate sei bei 0.1-2%, nicht 1-2%?
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    1. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      Er hat Herr Odermatt. Ich weiss auch wie er darauf kommt, es wird gemeinhin angenommen, dass die Dunkelziffer der Infizierten viel höher ist als China angibt. Diese Dunkelziffer geht davon aus, dass es mehr als 100'000 Infizierte seien. Dies würde die Sterblichkeit prozentual im Vergleich zur Grippe relativiern.
      Ich finde Herr Kaisers Aussage aber gefährlich denn sie basieren auf Vermutungen und Dunkelziffern, gerade wenn Menschen Gefahr laufen in Panik auszubrechen oder überstürzt zu handeln.
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    2. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @HOC: Zwischen 0,1 und 2 % liegt Faktor 20, das wäre dann eine Dunkelziffer von etwa 2 Mio. Infizierten. Da hätte der Interviewer nachfragen sollen, wie der Experte auf so eine Zahl kommt.
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    3. Antwort von Philipp Moreno  (HOC)
      @mallmann, Sie haben vollkommen Recht. Genau deshalb finde ich die Aussage gefährlich. NIcht ausgeführt und auf ungenügender Faktenlage basierend. Und natürlich hätte dies dem Interviewer auffallen müssen.
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    4. Antwort von SRF News editor
      @Philipp Moreno Hier die Antwort von SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel: «Die Todesrate in Wuhan schwankt im Moment um die 2%. Dort sind die Bedingungen allerdings so schlecht, dass man davon ausgehen kann, dass die Sterblichkeit deswegen dort höher liegt als anderswo, ausserdem werden dort viele milde Fälle vermutlich gar nicht erfasst, so dass die Todesrate vermutlich auch dadurch überschätzt wird. Schon nur im Rest von China ist die Todesrate bei 0,5%. Ausserhalb von China momentan bei rechnerisch 0,25%.

      Wichtig: Das sind alles Zahlen, die noch sehr im Fluss sind. Das Virus ist neu, und wie es sich verhält und auswirkt, zeichnet sich erst ab. Wirklich kennen werden wir die Zahlen erst in einigen Monaten.»
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    5. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Ja geografisch sind die Sterblichkeitsraten sicher ziemlich unterschiedlich.
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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Vielleicht sollten diese sogenannten Fachpersonen damit beginnen, Videokonferenzen abzuhalten anstatt aus allen Ecken der Erde herzufliegen und sich zu treffen und die Hände zu schütteln.
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    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Ich glaube nicht, dass sich diese Virologen die Hände schütteln. Das ist unnötig, und keine besonders hygienische Angewohnheit.
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