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Noch vier Wochen: Wie wählt Grossbritannien im Brexit-Fieber?
Aus SRF 4 News aktuell vom 14.11.2019.
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Ein Monat vor «Brexit-Wahl» «Die taktischen Wähler machen Prognosen schwierig wie nie»

Vier Wochen vor den vorgezogenen Neuwahlen in Grossbritannien hofft Premier Boris Johnson auf eine klare Mehrheit, um das Brexit-Abkommen durchs Parlament zu bringen. Gemäss neuesten Umfragen liegen seine Tories mit bis zu 41 Prozent der Stimmen klar vor Labour mit 26 bis 29 Prozent. Prognosen seien nach einhelliger Expertenmeinung sehr schwierig, sagt SRF-Korrespondentin Henriette Engbersen.

Henriette Engbersen

Henriette Engbersen

Grossbritannien-Korrespondentin, SRF

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Engbersen ist seit Frühling 2017 Grossbritannien-Korrespondentin von SRF. Sie ist seit 2008 für das Schweizer Fernsehen tätig, zuerst als Ostschweiz-Korrespondentin und später als Redaktorin der «Tagesschau».

SRF News: Ist Boris Johnson die Mehrheit im Parlament so gut wie sicher?

Nein. Denn es wird im Majorzverfahren gewählt. In jedem der 650 Wahlkreise gewinnt nur derjenige mit den meisten Stimmen. Das kann dazu führen, dass die Tories trotz guter Umfragen in einigen Wahlkreisen knapp verlieren. So hätte er am Ende im Verhältnis weniger Sitze als Wählerstimmen. Zugleich lagen die Umfragen bereits 2015 und 2017 daneben. Prognosen sind nach einhelliger Expertenmeinung so schwierig wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Was macht die Wahlen so unberechenbar?

Die Wahlen stehen ganz im Zeichen von Brexit. Entsprechend könnten viele anders wählen, als sie es traditionell tun, also taktisch wählen. Langjährige treue Labour-Wähler neigen zu den Liberaldemokraten, da diese den Brexit stoppen wollen. Gleiches läuft umgekehrt bei Brexit-Befürwortern. Mehrere Organisationen zeigen auf Internetseiten, wie man in welchem Wahlkreis wählen muss, um den Brexit zu verhindern. Offen bleibt, ob diese Menschen dem «Tactical Voting» folgen oder im letzten Moment doch wieder auf ihre traditionelle Partei umschwenken.

Nigel Farage mit seiner Brexit-Partei will die Konservativen nun doch nicht überall angreifen. Wie entscheidend ist die Kehrtwende für Johnson?

Das erhöht zwar die Chancen der Konservativen auf eine Mehrheit. Viel hat Johnson aber nicht geschenkt bekommen, denn Farage will weiterhin in den umkämpften Wahlkreisen antreten. Etwa dort, wo bisher immer Labour gewonnen hat, wo aber zugleich die meisten Wähler für einen Brexit sind. Es sind rund 20 umkämpfte Regionen, die Johnson gewinnen muss. Wenn sich dort Tories und Brexit-Partei Stimmen wegnehmen, könnte Labour lachender Dritter der Majorzwahl sein.

Der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, wirbt in Ilford, Essex.
Legende: Der Chef der Brexit Party, Nigel Farage, wirbt in der Stadt Ilford im Osten von London. Keystone

Worauf setzten die Parteien im Wahlkampf inhaltlich? Geht es nur um den Brexit?

Das grosse Motto ist «Wir liefern Brexit». Aber der Mensch lebt ja nicht vom Brexit allein. Deshalb versprechen die Tories auch das Ende des mehrjährigen Sparprogramms. Etwa mit Investitionen ins chronisch unterfinanzierte Gesundheitssystem und mehr Geld für Bildung. Die vorweihnächtlichen Wahlen versprechen grosszügige Geschenke. Labour verspricht jährliche Investitionen für Infrastruktur von 55 Milliarden Pfund. Das wäre doppelt so viel wie bisher.

Labour-Chef Jeremy Corbyn auf Wahlkampf im schottischen Uddingston.
Legende: Labour-Chef Jeremy Corbyn auf Wahlkampf im schottischen Uddingston. Keystone

Wird der Wahlkampf schmutzig?

Die schmutzige Phase, in der vielleicht Skandale ans Licht kommen, kommt vermutlich noch. Bisher gab es einige einschneidende Momente. So hat etwa der ehemalige Tory-Minister David Gauke dazu aufgerufen, keinesfalls die Tories zu wählen, sondern die Liberaldemokraten oder ihn selber als Unabhängigen. Der hochrangige Labour-Politiker Ian Austin riet öffentlich davon ab, Parteichef Jeremy Corbyn zu wählen, da dieser den Antisemitismus in der Partei zu wenig bekämpfe. Solche Aussagen wären vor ein paar Jahren undenkbar gewesen.

Aktuell liegt in Westminister noch ein unveröffentlichter Bericht, der sich mit der Einflussnahme der Russen bei den letzten Wahlen und beim Brexit-Referendum befasst. Eine Veröffentlichung vor der Wahl könnte Johnson Kopfschmerzen bereiten.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    @Stefan H. - So einfach ist das eben nicht. 1. wie Markus H. schreibt, wäre das Resultat mE. überhaupt nicht deutlich. 2. die Briten haben unterschiedliche Interessen, je nachdem, welchen Teil des UKs sie bewohnen, welcher Partei sie angehören, aus welcher sozialen Stufe sie stammen, welche historische und politische Vergangenheit sie haben. Das grösste Problem ist und bleibt wohl das gespaltene Nordirland. Auch in Schottland sind sie sich nicht einig, ob sie bei GB bleiben wollen oder nicht.
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  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    Nur nicht Farage wählen! - Natürlich gäbe es sehr fähige Politiker in GB, wie in den USA etc.. Das Problem ist, dass sich friedensstiftende Leute gar nicht mehr daran wagen, eine Regierung zu leiten. Sie werden zerstört, politisch wie menschlich. Nur die Skrupellosesten setzen sich durch für einen Zeitraum und handeln dann oft auch als Staatschefs dementsprechend - und -, auch wenn Viele das anders sehen, der kluge Putin gehört mE. nicht dazu, er ist wohl das Beste, was Russland passieren konnte
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    1. Antwort von Thomas Tanneler  (ipool)
      Gestern kam bei ZDF Info eine Doku zum Thema Putin. Es ging darum wie korrupt er ist und was er mit Andersdenkenden macht. Der ist mit nichten das Beste was Russland passieren konnte. Es ist ja logisch, dass die Russen denken er ist toll, wenn jegliche Kritik verhindert wird. So etwas nennt man Autokratie. Zudem hat Russland sich nachweislich in demokratische Prozesse in den USA und Brexit eingemischt. Beide Abstimmungen hatten ein knappes Resultat und da spielen solche Faktoren eine Rolle.
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    2. Antwort von M. Berger  (Mila)
      Thomas T. - Sie stellen leere Behauptungen auf und sprechen von korrupt und nachweislich, ohne es zu beweisen, z.B. Wahlen Brexit, USA. Und wenn es so wäre? Wer kann RU das absprechen, was die USA und Israel schon lange tun? - Die gesamte Welt wird über Propaganda regiert, sei es politisch, wirtschaftlich oder ideologisch. Blinde Propagandagläubigkeit von welcher Seite auch immer, ist verheerend. Zudem, auch Gorbatschov sagt, er hätte gleich gehandelt wie Putin, was die Krim betrifft. n-tv.de
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  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    Mir scheint, die Epoche der freien Wahlen sei vorbei, so sie denn überhaupt jemals existierte. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, wie unberechenbar alles ist. Da genügt irgend ein Hype, Fake News, die Leute wählen Populisten und/oder Radikale. Weltweit gibt es Uneinigkeit und harte Auseinandersetzungen. Da liest man von Milliardengewinnen mal 100 der Internetfirmen etc. rein über Propaganda, ohne dass etwas produziert wird. Wer bezahlt diesen Leerlauf? Ein Kollaps scheint unvermeidlich.
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