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Legende: Video Rohstofffirma Socfin unter Druck abspielen. Laufzeit 15:19 Minuten.
Aus Rundschau vom 20.02.2019.
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«Bauern in Liberia vertrieben» Rohstoffkonzern Socfin in der Kritik

Das kirchliche Hilfswerk «Brot für alle», Bfa, wirft dem Rohstoffkonzern Socfin in einem heute veröffentlichten Report vor, mehr als zwei Dutzend Dörfer in Liberia für die Expansion von Kautschuk-Plantagen zerstört und deren Einwohner vertrieben zu haben. Die «Rundschau» hat in Liberia recherchiert und den Fall der Familie von Yassa Mulbah dokumentiert.

Die Bäuerin Yassa Mulbah lebte in Tartee Town, einem Dorf mit über 200 Einwohnern in Bong County, Liberia. 2010 erweiterte die von Socfin kontrollierte Salala Rubber Company (SRC) ihre Kautschukplantage und vertrieb die Einwohner, wie Yassa Mulbah erzählt: «Die Bulldozer kamen früh am Morgen, zusammen mit vielen Männern. Die trugen Macheten. Es war wie zur Zeit des Bürgerkriegs. Wir hatten grosse Angst, dass sie uns verletzen und niemand je erfahren wird, was uns geschieht.» Bis heute kämpft die Familie um eine Rückgabe des Landes – vergeblich.

Klage angekündigt

Yassas Cousin Binda Katter verfügt über eine Urkunde, die belegt, dass das Gebiet um Tartee Town seiner Familie gehört, unterzeichnet 1973 vom damaligen Präsidenten von Liberia, William Tolbert. Von SRF mit diesem Dokument konfrontiert, nahm die Socfin in Freiburg keine Stellung. Socfin weist solche Vorwürfe, wie sie auch von «Brot für alle» (Bfa) erhoben werden, generell zurück und schreibt, der Konzern sei in Gesprächen mit der kirchlichen Organisation.

Die «Green Advocates», eine liberianische NGO, die sich gegen «Land Grabbing» durch internationale Konzerne engagiert, kündigte an, gegen die von Socfin kontrollierte Firma SRC zu klagen. Die Green Advocates haben diesen Fall zusammen mit Bfa recherchiert. Über die Erfolgschancen einer Klage machen sie sich keine Illusionen: «Wenn hier eine Gemeinschaft eine multinationale Firma einklagt, die in Liberia investiert, dann sehen einige Richter darin gleich einen Fall von Wirtschafts-Sabotage», so Francis Colee, der Leiter der NGO in Liberias Hauptstadt Monrovia.

Konzern unter Druck

Socfin ist ein internationaler Konzern mit Sitz in Luxemburg, wo auch die Aktien des Unternehmens gehandelt werden. Daneben hat der Konzern Niederlassungen in Belgien und in Fribourg. Von hier aus handelt die Socfin-Gesellschaft Sogescol mit Kautschuk und Palmöl der diversen Plantagen in Afrika und Asien. 2017 betrug Sogescols Umsatz 332 Millionen Franken. Von Freiburg aus bestellt Socfin unter anderem das Management der Plantagen.

Ob Socfin ihre unternehmerische Sozialverantwortung im Fall Liberia wahrnimmt, ist umstritten. Bereits wegen seiner Plantagen in Kambodscha, Kamerun, Nigeria und Sierra Leone war der Konzern in die Kritik von Menschenrechts- und Umweltorganisationen geraten. Der Konzern hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Die Liberianische Regierung ist doch hier für diese Missstände verantwortlich. Ohne die Bewilligung oder stille Duldung geht das doch nicht . Der Fisch stinkt eben auch gerade in diesen Ländern vom Kopfe her . Die Geprügelten sind die Wehrlosen Menschen - dann wundert man sich wenn es Krieg und Mord gibt .
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Palmöl ist einer von vielen Rohstoffen, die heute durch Grosskonzerne auf industriellen Monokulturen angebaut und exportiert werden. Sie zerstören die seit Jahrhunderten bestehenden lokalen Anbaukulturen und die Natur. Für Palmöl-Plantagen fallen meist wertvolle Tropenwälder, Ackerfläche zum Opfer, zahlreiche Arten sowie Bauern verlieren so ihre Lebensgrundlage. Palmölplantagen verletzen Menschenrechte und zerstören die Umwelt! Diese Ausbeutung sollte endlich aufhören.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Der Sitz dieses Konzerns ist in Luxemburg und damit in der EU. Bin gespannt, was diese unternimmt.
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    1. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Nichts was der EU schaden könnte wird da geschehen. Garantiert nichts was der EU peinlich sein könnte wird publik. Und dabei wird es bleiben.
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