Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Elfenbeinhandel bleibt verboten abspielen. Laufzeit 04:12 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 22.08.2019.
Inhalt

Artenschutzkonferenz in Genf «Es hätte viel Platz für Wilderei gegeben»

Sechs Tage hat die UNO-Artenschutzkonferenz in Genf bisher gedauert, sie geht weiter bis zum 28. August. Zur Debatte stand eine Lockerung des Verbots für Elfenbeinhandel. Doch die grosse Mehrheit der über 180 Länder lehnte das ab. Thomas Häusler hat die Debatte mitverfolgt.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biologie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Warum haben sich die afrikanischen Länder nicht durchsetzen können?

Thomas Häusler: Es gab in den letzten Jahren grosse Verluste durch Wilderei. 1980 stapften noch 1.3 Millionen Elefanten durch Afrika, heute sind es zwei Drittel weniger. Am schlimmsten war die Wilderei vor einigen Jahren; damals wurden in einem Jahr zehn Prozent des gesamten Bestandes getötet.

Noch immer herrscht die Sorge, dass das Überleben des afrikanischen Elefanten gefährdet sein könnte.

Das ist ein bisschen besser geworden, aber noch immer herrscht die Sorge, dass das Überleben der Spezies Afrikanischer Elefant gefährdet sein könnte. Diese Meinung hat sich heute an der Konferenz durchgesetzt. Allerdings steht eine Teilabstimmung noch aus und die heutige Entscheidung muss von der Abschlussversammlung nächste Woche noch bestätigt werden.

Elefantenauge
Legende: An der Artenschutzkonferenz gab es diverse Anträge zu Elefanten. Getty Images

Aber es könnte doch sein, dass die Wilderei abnimmt, wenn der Elfenbeinhandel legal wird?

Davon kann man nicht ausgehen. Auch wenn der Schutz jetzt gelockert worden wäre, wäre nur wenig und punktuell Elfenbein auf den Markt gekommen. Das hätte nie gereicht, um die grosse Nachfrage, vor allem aus Asien, zu decken. Da wäre viel Platz für Wilderei gewesen.

Ein legaler Markt könnte dazu benutzt werden, illegales Elfenbein zu waschen.

Und die grosse Sorge der Gegner einer Lockerung ist, dass man das legale und das illegale Elfenbein kaum auseinander halten könnte – man müsste befürchten, dass der legale Markt dazu benutzt werden könnte, um illegales Elfenbein zu waschen. Und das würde wohl einen starken Antrieb liefern für noch mehr Wilderei.

Offenbar gibt es ja Länder, wo die Elefanten auch zum Problem werden. Nimmt man die afrikanischen Anliegen gar nicht ernst?

Diese Probleme werden schon ernst genommen. Botswana zum Beispiel klagt darüber, dass es zu viele Elefanten hat und es immer wieder zu Konflikten mit Menschen kommt – mit Bauern zum Beispiel: Elefanten gehen mit deren Feldern oft nicht gerade zimperlich um. Manche Experten zweifeln diese Konflikte nicht an, sie sagen aber, dass es keine biologischen Hinweise gebe, dass wirklich so viele Elefanten in Botswana leben, dass die Natur sie nicht ernähren kann.

Und sie sagen, dass man diese Konflikte minimieren kann, etwa, indem man den Elefanten Wanderkorridore einrichtet, die fernab von Landwirtschaftsland sind. Und man kann den Bauern helfen, ihre Felder zu schützen – etwa mit Elektrozäunen oder Bienenkästen. Bei der heutigen Entscheidung war es auch nicht so, dass afrikanische Länder gegen den Norden standen. Es waren auch viele afrikanische Länder gegen eine Aufweichung des Handelsverbots von Elfenbein.

Giraffen
Legende: Der Handel mit Giraffenteilen soll streng kontrolliert werden. «So will man rechtzeitig die Notbremse ziehen können», sagt Häusler. Getty Images

Auch andere Tierarten, etwa Giraffen sollen besser geschützt werden. Was für eine Bedeutung hat diese Entscheidung?

Sie folgt demselben Trend wie die heutige Entscheidung zu den Elefanten. Die Zahl der Giraffen ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Man ist in Sorge über diesen Abwärtstrend, der ja auch noch andere Tierarten in Afrika betrifft. Giraffen gibt es sogar noch deutlich weniger als Elefanten. Sie werden nun nicht komplett geschützt. Der Handel mit Giraffenteilen, etwa mit Teppichen aus ihrem Fell oder verzierten Knochen, soll nun aber streng kontrolliert werden. So will man rechtzeitig die Notbremse ziehen können – und ein Komplettverbot verhängen, bevor es zu spät ist.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Ich wünsche mir vom ganzen Herzen dass es gelingt die Elefanten, Giraffen und auch alle anderen Tierarten und auch Pflanzenarten zu schützen! Am besten gelingt das durch die Vergrösserung der Lebensräume sämtlicher Tierarten und Pflanzenarten und auch durch strengere Gesetze und härtere Strafen für Wilderer die auf der Jagd nach Elfenbein sind! Die Jagd auf Elfenbein muss mit lebenslanger Haftstrafe bestraft werden!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Offenbar gibt es ja Länder, wo die Elefanten auch zum Problem werden. Nimmt man die afrikanischen Anliegen gar nicht ernst? ........Und wie... wenn es eine Ueberpopulation gibt, dann muss reduziert werden... SA hat teilweise Ueberpopulation...
    Und Giraffen... na ja.. wie die Zebras... Loewenfutter... da hat es nun wirklich Viele ... Wobei ich nicht einsehe warum man diese Tiere jagt. die Haut, das Fleisch... Trophae eines fast handzamen Tieres.. Laecherlich!!! Fleisch.. wie Ross! Kaeufer DUMM!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Das Problem der Dezimierung einer Tierart wie bei den Giraffen ist der Verlust des Gen-Pools. Das sieht man z.B. bei dem Versuch des WWF, die Wisente (Europäischer Bison) in Rumänien in freier Wildbahn wieder "aufzustocken". Solange die Regierungen keinen brauchbaren Artenschutz durchsetzen, bleibt einem nur die Unterstützung von NGO's.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen