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Legende: Audio Schwangerschaftsabbruch: Ethikkommission will Praxis bei spätem Abbruch vereinheitlichen abspielen. Laufzeit 04:03 Minuten.
04:03 min, aus Echo der Zeit vom 28.02.2019.
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Tabu Spätabbruch Wenn Hochschwangere abtreiben

Auch nach der gesetzlichen Frist werden Schwangerschaften abgebrochen. Die Nationale Ethikkommission hat dafür Empfehlungen veröffentlicht.

Ein Schwangerschaftsabbruch im fortgeschrittenen Stadium ist kein leichtes Thema. Auch nicht für Andrea Büchler. Sie ist Präsidentin der Nationalen Ethikkommission und hat die jüngsten Empfehlungen des Gremiums mitverfasst.

«Bei einem Abbruch in einer späten Phase der Schwangerschaft haben wir es mit sehr belastenden Situationen zu tun», sagt sie. «Wie immer sich die Frau, das Paar, der Arzt, die Ärztin entscheiden, es ist immer schwierig.»

Für einen Spätabbruch braucht es eine sogenannte Indikation, das heisst: Ein Arzt oder eine Ärztin muss beurteilen, ob sich die schwangere Frau in einer körperlichen oder seelischen Notlage befindet und es für sie unzumutbar ist, die Schwangerschaft fortzusetzen.

Seelische Notlage

Das kann der Fall sein, wenn die Frau aufgrund einer schweren Depression suizidgefährdet ist oder wenn die Schwangerschaft das Resultat eines Sexualdeliktes ist.

Auch eine Behinderung des Kindes kann eine Frau in eine schwere seelische Notlage bringen. Aus Zahlen des Bundesamtes für Statistik geht hervor, dass solche Fälle die Mehrheit bilden. «Die Beeinträchtigung des Fötus ist nie die Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch», betont Büchler. «Es muss immer die seelische Notlage der Frau sein.»

Bis zu welchem Zeitpunkt Schweizer Spitäler Spätabbrüche durchführen, ist unterschiedlich. Auch die angewandten Methoden unterscheiden sich von Klinik zu Klinik.

Meistens wird der Frau ein Medikament verabreicht, das die Geburt einleitet. Dieses Vorgehen hat eine Kehrseite: Aus einer Studie des Nationalen Forschungsprogramms «Lebensende» ist bekannt, dass jährlich 25 Kinder nach einem Abbruch mit Lebenszeichen zur Welt kommen.

Diese Kinder leben nach der Geburt nur wenige Minuten oder Stunden. Doch in dieser Phase geniesst das Kind erhöhten Rechtsschutz.

«Die Geburt stellt in dieser Hinsicht eine Zäsur dar», erklärt Büchler. «Nach der Geburt steht das Wohl des Kindes im Zentrum der Erwägungen.»

Andere Länder, andere Richtlinien

Das heisst: Die Ärzte sind verpflichtet, das Leben der Kinder zu schützen und sie zu behandeln wie andere extrem Frühgeborene auch. Das bedeutet aber nicht, sie um jeden Preis am Leben zu erhalten, sondern ihnen ein möglichst gutes Sterben zu ermöglichen.

Legende: Video Wie dürfen wir Kinder machen? Der philosophische Stammtisch abspielen. Laufzeit 01:01:22 Minuten.
Aus Sternstunde Philosophie vom 04.03.2017.

Andere Länder kennen Richtlinien, die solche Situationen von vorneherein ausschliessen. Um Lebenszeichen nach dem Abbruch zu verhindern, wird dem Fötus noch im Mutterbauch eine Substanz gespritzt, die zum Herzstillstand führt.

Dieser sogenannte Fetozid wird etwa in England oder Österreich praktiziert. In der Schweiz sind die Spitäler mit dieser Praxis zurückhaltend.

Gespräch im Voraus

«Wichtig ist», sagt Büchler, «dass man die Frau oder das Paar darüber informiert, dass das Kind mit Lebenszeichen zur Welt kommen könnte. Und dass man diese Zeit vorbespricht.» Damit die kurze Lebensspanne des Kindes möglichst würdig gestaltet wird.

«An vielen Kliniken wird das gemacht», sagt Büchler. «Es bestehen Handbücher, Richtlinien, ein sorgsamer Umgang mit diesen Entscheidungen. Von solchen Best-Practices kann man profitieren.»

Trotzdem brauche es insgesamt mehr Transparenz und einheitliche Standards, mit diesem Thema umzugehen. Damit Schwangere in einer Notlage imstande sind, eine informierte Entscheidung zu treffen.

66 Kommentare

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  • Kommentar von Anna Kissling (Cristalmix)
    Herr Müller hier der Link: https://www.profemina.org/info-abtreibung/abtreibung-risiken-und-folgen/seelische-folgen-einer-abtreibung
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das ist keine Wissenschaftliche Studie, sondern eine Webseite von Abtreibungsgegnern, die eine Behauptung aufstellt. Das Internet ist ja bekanntlich geduldig, jeder kann da irgendwelche Behauptungen aufstellen. Verantwortlich für Profemina und deren Webseite ist Kristijan Aufiero, ein Evangelikaler Abtreibungsgegner, der sich anmasst, zu entscheiden, dass eine Abtreibung für alle Frauen schlimmer ist als eine Vergewaltigung, und auch bei Lebensgefährdung der Mutter eine Abtreibung ablehnt.
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Das ist kein Beleg. Das ist der Link auf eine pro-life Webseite, die diese Behauptung in den Raum stellt. Aber ausser Einzelbeispielen (die sogr erfunden sein können) gibt es auch da keine Fakten, schon gar nicht eine wissenschlaftlich fundierte Studie zum Thema.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Lasst doch jeden machen was er für richtig hält. Herrgott nochmal, sind die Schweizer denn ein Volk von Zwangsneurotikern? Man wische besser mal vor der eigenen Türe!
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    1. Antwort von Richard Meier (meierschweiz)
      Ach so, gute Idee: Dann lassen wir doch einfach alle Gesetze weg. Es bringt doch niemand einen anderen leichtfertig um; weshalb sollte man denn die Tötung eines anderen schon strafrechtlich verfolgen? Oder weshalb braucht es Tempolimiten? Oder weshalb Regelungen über Höchstarbeitszeiten? Oder weshalb Steuergesetze? Warum soll nicht jede/r eine Frau zur Abtreibung zwingen dürfen? - Nein Herr Duran: Nur weil jemand ungeborenes Leben schützen will, ist er noch lange kein Zwangsneurotiker.
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Bingo! Aber in Nochrechtsstaaten mit Egalite hoert die Freiheit gar des Reichlings auf, wo die Freiheit gar auch des Armen beschraenkt wird. Die gesetzliche Regelung, dass das lebend geborene Kind voll geschuetzt waere, aber im Mutterleib bei klarer Indikation im Mutterleib getoetet werden darf ist zwar diesbezueglich grenzwertig, aber klar. Das Kind gehoert nicht mehr nur der Mutter, sondern auch sich selber, sobald es das Flutschen durch die Scheide ueberlebt hat....
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  • Kommentar von Richard Meier (meierschweiz)
    Schon bald wird die Ethikkommission darüber diskutieren, unter welchen Umständen frau ihr Kind nach der Geburt töten lassen darf. Sie kann ja auch durch die Geburt in eine schwere seelische Notlage kommen. Oder frau könnte ja auch Kinder töten lassen dürfen, deren Vater sie Jahre später vergewaltigt hat; frau wird beim Anblick ihres Sohnes immer an ihren Vergewaltiger erinnert - also muss der Sohn weg. Das tönt heute irr, ist aber nichts als die logische Fortsetzung dieser Grausamkeit.
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