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Legende: Video Ranga Yogeshwar: Künstliche Intelligenz – was bringt die Zukunft? abspielen. Laufzeit 59:48 Minuten.
Aus Sternstunde Philosophie vom 09.06.2019.
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Gefahr Daten-Monopole «Wir müssen Google und Facebook zerschlagen»

Daten bestimmen immer mehr unser Leben. Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar über die Gefahren von Google und Co.

Selbstfahrende Autos, Serviceroboter und «intelligente» Speaker wie Alexa oder Google Assistant – die Technik bestimmt immer mehr unser Leben. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar über den Bewertungswahnsinn, die Gefahren der Monopole von Google und Co. und was die Politik in Zeiten zunehmender Technologisierung leisten muss.

Ranga Yogeshwar

Ranga Yogeshwar

Wissenschaftsjournalist

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Der Luxemburger Ranga Yogeshwar ist freier Wissenschaftsjournalist und war langjähriger Moderator des Wissenschafts-Fernsehmagazins Quarks. Yogeshwar hat experimentelle Physik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen studiert und ist bekannt für seine Verknüpfung von naturwissenschaftlichen Themen mit gesellschaftspolitischen Fragen.

SRF: China steht kurz davor, flächendeckend ein Sozialpunktesystem einzuführen. Dieses bewertet Bürger danach, wie sie sich verhalten. Blüht uns das auch bald?

Ranga Yogeshwar: Wir machen es uns zu einfach, wenn wir sagen: «Die bösen Chinesen führen jetzt ein Social Credit System ein». Wir erleben selbst zunehmend eine Diktatur der Transparenz. Wenn Sie online einkaufen, dann sehen Sie Sterne, die den Verkäufer beziffern.

Und wir haben bereits ganz viele Bereiche, in denen eine Punktzahl immer wieder assoziiert wird mit unserem Verhalten. Damit rutschen wir automatisch in ein Denken, das es in China auch gibt: Eines, das Lebensprozesse nur noch numerisch bewertet.

Die Ansätze einer solchen Entwicklung sieht man gut an den Versicherungen. Wenn Sie denen Ihre Bewegungsdaten geben, erhalten Sie Rabatt. Implizit heisst es dann: Ich muss mich bewegen, sonst zahle ich. Und somit endet die Freiheit, Bewegung wird plötzlich zu einem Zwang.

Der Unterschied zu China ist aber, dass bei uns nicht der Staat, sondern grosse Firmen wie Google oder Amazon unsere Daten sammeln. Die wollen doch primär Profit machen. Wo liegt also das Problem?

Wer so viel weiss und so mächtig ist wie Google, kann anfangen, die Menschen zu beeinflussen. Es geht nicht einfach nur darum, zu wissen, was Herr oder Frau Meier zum Frühstück essen, sondern dass man durch all diese Daten irgendwann sagen kann, was man jemandem geben muss, damit dieser sich so und so verhält.

Diese Art der Kombination von Daten ist brandgefährlich. Nicht, weil bei Unternehmen wie Google böse Leute arbeiten, sondern weil solche Unternehmen im Grunde den Nährboden für autoritäre Systeme bilden.

Inwiefern?

Soziale Plattformen sind inzwischen die wertvollsten Unternehmen der Welt. Was passiert, wenn diese Totalkontrolle es den Unternehmen irgendwann ermöglicht, in die Politik oder in die Entscheidungskriterien einer Gesellschaft einzugreifen? Möglicherweise Wettbewerber massiv zu verdrängen? Diese Konstrukte sind durch ihre Grösse für uns als Gesellschaft irgendwann nicht mehr akzeptabel.

Aus diesem Grund müssen wir ein Kartellrecht der Daten einführen. Wir müssen also an irgendeiner Stelle die Menge der Daten, die vereint ist bei wenigen Firmen, aufbrechen. Das heisst ganz konkret: Firmen wie Google oder Facebook zerschlagen, also die monopolistischen Strukturen aufgeben.

Wie lässt sich das erreichen?

Wir brauchen eigene Netzwerke: Beispielsweise ein europäisches Google oder Facebook. Zudem braucht es eine klare Regelung, welche Daten in welcher Kombination und für welche Zwecke verwendet werden dürfen. Und wir brauchen eine Offenlegung der Algorithmen.

Facebook ist heute eine Blackbox. Wir wissen nicht, nach welchen Regeln das Netzwerk funktioniert. Das darf nicht sein. Denn wir wissen spätestens seit letztem Jahr, dass soziale Netzwerke durchaus das Potenzial haben, Wahlen zu beeinflussen und Demokratien zu destabilisieren. Aus diesem Grund muss auch die Politik handeln – aber das tut sie bisher nicht.

Das Gespräch führte Gina Messerli.

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