WWF-Studie Schweizer Banken im Test: Nachhaltigkeit geniesst wenig Kredit

Zahlen wir Geld auf ein Bankkonto ein, wähnen wir es in Sicherheit. Der WWF wollte wissen: Wie legen die Banken das Geld an? Sind neben Renditen, Liquidität und Sicherheit auch ökologische und soziale Faktoren ein Thema? «Kassensturz» zeigt, wo Sie Ihr Geld mit gutem Gewissen anlegen können.

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Schweizer Banken – Nachhaltigkeit geniesst wenig Kredit

13 min, aus Kassensturz vom 5.9.2017

«Jeder Franken, den wir den Banken fürs Sparen, Anlegen oder die Vorsorge anvertrauen, zeigt Wirkung auf unsere Umwelt oder auf die Gesellschaft», sagt Claude Amstutz, Studienleiter beim WWF. «Legt die Bank unser Geld beispielsweise in Kohleproduzenten an, hat dies eine negative Wirkung auf das Klima. Positiv ist die Wirkung aber, wenn die Bank das Geld in Produzenten von Solar- oder Windenergie steckt.» Darum sei es sehr wichtig, dass Banken unsere Gelder nachhaltig anlegen würden.

Im Fokus der Studie: Die 15 grössten Retailbanken der Schweiz, also jene Banken, die auch Gelder von Kleinsparern verwalten. Zwar sei Nachhaltigkeit bei allen untersuchten Banken ein Thema, sagt Claude Amstutz, aber: «Leider fokussieren die Banken vor allem auf die Betriebsökologie: So optimieren sie den Energieverbrauch der eigenen Liegenschaften oder setzen auf Papierrecycling. Im Kerngeschäft aber, also da, wo sie Geld entgegennehmen, anlegen und ausleihen, machen die Banken zu wenig», betont der WWF-Mann.

Nur vier Prozent aller Anlagen nachhaltig

Der WWF arbeitete über ein Jahr an der Studie. Die Resultate wurden aus Fragebögen an die Banken, Interviews mit den Banken und eigenen Recherchen erhoben. Die Studie teilt die Banken in fünf mögliche Kategorien ein: Keine Bank erreicht im Rating die beiden besten Stufen «Visionär» und «Vorreiter». Das sei einerseits ernüchternd, sagt Claude Amstutz. Anderseits aber auch nicht weiter überraschend, würden doch von den total in der Schweiz verwalteten Anlagevermögen über 6,6 Billionen Franken nur gerade vier Prozent systematisch nachhaltig verwaltet.

Drei Banken schwingen oben auf

Der WWF macht markante Unterschiede beim nachhaltigen Geschäftsverhalten der Banken aus. Besser als andere Banken und deshalb im WWF-Rating unter der Kategorie «Verfolger»: die Raiffeisenbank, die Zürcher Kantonalbank und die Berner Kantonalbank. Die Raiffeisenbank verwaltet heute zum Beispiel 54 Prozent der Vermögen ihrer Kleinsparer nachhaltig. Das ist ein guter Wert. Noch besser ist die Quote in der dritten Säule: 92 Prozent der Altersvorsorge ihrer Kleinsparer legt Raiffeisen nachhaltig an.

Tabelle mit den zwölf untersuchten Banken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Platzierungen. SRF

Umweltsparkonto mit Potential

Ebenfalls in die Kategorie «Verfolger» schafft es die Zürcher Kantonalbank: Sie investiert zwar nur gerade 16 Prozent der Einlagen ihrer Kleinsparer in nachhaltige Anlagen und nur 15 Prozent der Vorsorgegelder. Für Pluspunkte in der WWF-Studie sorgt aber das Umweltsparkonto der Zürcher Kantonalbank: «Das Umweltsparkonto der ZKB gibt den Kunden die Möglichkeit, lokal positive Wirkung zu erzielen: Die Kunden investieren zusammen mit der Bank einen Teil des Sparzinses in Projekte, welche die Luft- und Lebensqualität im Wirtschaftsraum Zürich verbessern», erklärt WWF-Studienleiter Claude Amstutz. Solche wirkungsbezogenen Sparlösungen seien interessant, da vom Kleinkind bis zum Rentner alle in der Schweiz ein Sparkonto haben und somit ein riesiges Potential bestehe, um eine nachhaltige Zukunft zu unterstützen, heisst es in der Studie.

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Stellungnahme der «Nachzügler»

Postfinance und Valiant wurden vom WWF als «Nachzügler»-Banken eingestuft, mit Nachholbedarf in puncto Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Das sagen die beiden Banken dazu.

Zehn der 15 untersuchten Banken stuft der WWF in die Kategorie «Mittelfeld» ein, darunter auch die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse: Sie legen nur zehn Prozent oder weniger der Gelder ihrer Kleinsparer nachhaltig an. «Bei den Banken im Mittelfeld ist Nachhaltigkeit zwar punktuell ein Thema. Sie verfügen auch über ein Angebot an nachhaltigen Dienstleistungen. Nur handelt es sich dabei noch immer um ein Nischenangebot», erklärt Claude Amstutz. Im Gespräch mit den Kunden würden diese Angebote nicht systematisch erwähnt.

Postfinance und Valiant am schlechtesten

Immerhin achten Credit Suisse und UBS bei der Kreditvergabe auf mehr Nachhaltigkeit: So bietet die UBS beispielsweise Firmen vergünstigte Leasingkonditionen für ökoeffiziente Fahrzeuge und Maschinen. Und beide Grossbanken führen eine Kreditkarte in ihrem Angebot, mit der sie einen kleinen Teil des Kartenumsatzes an gemeinnützige Organisationen spenden können.

Am schlechtesten schneiden Postfinance und die Bank Valiant ab. Im WWF-Rating schaffen sie es nur in die Kategorie «Nachzügler»: «Ihre Geschäftspolitik ist einzig auf rein finanzielle Faktoren ausgerichtet. Sie widmen sich erst dann der Nachhaltigkeit, wenn sie politisch oder durch Kunden dazu gedrängt werden», betont Claude Amstutz.

Von «Kassensturz» mit den Studienergebnissen konfrontiert, zeigen sich Postfinance und Valiant über das schlechte Abschneiden enttäuscht. Beide Banken machen geltend, dass die Studie zu stark auf den Umweltschutz fokussiere, ihr soziales Engagement für Mitarbeiter und Region zu wenig gewichtet werde. Dem widerspricht der WWF: Neben Umweltfaktoren seien sehr wohl auch die sozialen Aspekte der Bankenpraxis in die Studie miteingeflossen.

«Bio-Label» für Banken gefordert

Es stellt sich die Frage, warum Banken nicht nachhaltiger investieren. Liegt es vielleicht an fehlenden Renditemöglichkeiten? Der WWF-Testleiter winkt ab: «Dass nachhaltige Anlagen weniger rentieren als konventionelle ist ein Vorurteil. Eine grosse Anzahl von Studien belegen, dass nachhaltige Investments gleich gut oder gar besser rentieren.»

Damit Banken nachhaltiger wirtschaften, braucht es mehr Druck von Kunden und Gesetzgeber, heisst es in der Bankenstudie: Der WWF denkt etwa an einen klar definierten und für alle Banken gültigen Mindeststandard, zum Beispiel analog dem gesetzlich definierten Bio-Standard bei Lebensmitteln. So könnten Kunden einfach erkennen, welche, beziehungsweise wie viel Umweltschäden oder Treibhausgase ein nachhaltig investierter Schweizer Franken gegenüber einem nicht nachhaltig investierten Franken generiert, beziehungsweise wie viel vermieden werden kann.

Eine weitere Forderung des WWF ist eine systematische Schulung der Kundenberater zu umwelt- und nachhaltigkeitsbezogenen Themen, und Einrichtung einer internen Fachstelle bei allen Banken, an die sich die Kundenberater wenden können.
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Studiogespräch mit Thomas Vellacott vom WWF

5:55 min, aus Kassensturz vom 5.9.2017

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