Blick ins Fotoalbum Patrik Wülser: Abseits der Normalrouten

Anlässlich seiner Rückkehr aus Afrika öffnet Korrespondent Patrik Wülser sein fotografisches Reisetagebuch.

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Zwischen den Schlagzeilen: Neue Sicht auf Afrika

So vielseitig wie sein Korrespondentengebiet ist auch Patrik Wülsers Laufbahn bei SRF: Der Berner trat 1994 Schweizer Radio DRS als Redaktor beim Regionaljournal Bern Freiburg Wallis bei. Darauf folgten Funktionen bei «Espresso», bei der Inlandredaktion, der «Samstagsrundschau» und später als Bundeshauskorrespondent.

Seit 2011 lebt Patrik Wülser mit seiner Familie in Nairobi, Kenia, und deckt als Afrika-Radiokorrespondent ein Gebiet von 47 Ländern mit 800 Millionen Menschen und rund 1000 Sprachen ab. Seinen Alltag beschreibt er als «berauschend, verwirrend und zuweilen anstrengend».

Seine Reportagereisen führten in den vergangenen sechs Jahren durch 30 Länder. In seinem Gepäck führt er nicht nur Mikrofon, Notizbuch und Skizzenstifte mit sich, sondern auch seinen Fotoapparat. Ende August kehrt er in die Schweiz zurück und übernimmt die Leitung der Auslandsredaktion.

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Alltag

Ein Bild, das aus dem Emmental szammen könnte: Hügel und Kühe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Afrika gibt es nicht.» Patrik Wülser

«Afrika gibt es nicht», schrieb einmal ein Kollege. Recht hat er. Von den Halbwüsten Somalias bis in die eisigen Höhen des Mount Kenya, vom Indischen Ozean bis in die Regenwälder Ugandas: Vielfältiger könnte der Kontinent nicht sein. Wer am Morgen zwischen satten Kühen in der Hügellandschaft Ostkongos steht, glaubt sich für einen Augenblick im Emmental.

Zwei Kinder Baden in Kübeln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Baden im Alltag. Patrik Wülser

Oft werde ich gefragt: «Wie kannst Du all die schrecklichen Dinge auf diesem Kontinent nur ertragen?» Tatsächlich begegnet man in Afrika Dingen, die man lieber nie gesehen hätte. Die Mehrheit der Leute auf diesem Kontinent sind jedoch weder Rebellen noch Diamantenhändler, sondern ganz normale Menschen. Meine Aufgabe als Korrespondent ist es nicht, täglich das Schlimme zu suchen, sondern ebenso das Gute. Stell Dir vor, ein afrikanischer Journalist käme nach Europa und würde nur über Schweizer Rohstoffkonzerne, Flüchtlingslager in Griechenland und pädophile Priester berichten. Der Normalität begegnet man in Afrika mitten im Chaos, zum Beispiel bei dieser Badeszene in einem Flüchtlingslager in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik.

Orte

Der Kilimandscharo in der Ferne. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Paradies. Patrik Wülser

Zum Kilimandscharo kehre ich immer wieder zurück. Der majestätische Berg mit der Schneekuppe erinnert mich an das Schulwandbild «Die Savanne in Afrika», das uns Fräulein Bürki vor mehr als vierzig Jahren in der ersten Klasse gezeigt hat. So habe ich mir als Bub das Paradies vorgestellt. Und ich lag nicht völlig falsch. Wenn man am Fusse des Kilimandscharo zwischen Giraffen und Elefanten auf dem Land Rover sitzt, fühlt man sich tatsächlich wie im Paradies.

Fassade der Beiz. Davor stehen Motorräder. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Beiz im Kongo. Patrik Wülser

Rubeia ist ein Minen-Dorf im Ostkongo. Eine Brettersiedlung zwischen zwei Hügeln. Die Dorfstrasse ist schlammig, der Himmel grau und die Dorfspelunke heisst „Sun City“. Ein grosses Schild weist die Kundschaft an, Waffen draussen zu lassen.

Der Wirt hinter der Bar grinst und serviert lauwarmes Bier. An einem Tisch sitzen Männer in Tarnanzügen und umgehängten AK-47. Sie behaupten Angehörige der kongolesischen Armee zu sein und wollen unsere Papiere sehen. «Dieses Visum ist in Rubeia nicht gültig», stellt der Chef der Gruppe fest. «Wir müssen Sie leider zum Verhör auf den Posten nehmen, Gesetz ist Gesetz.» Ich war sicher, dass mein Visum, ausgestellt vom kongolesischen Medienministerium in Kinshasa, auch in Rubeia gültig war. Aber ich war ebenso sicher, dass ich nicht eine Nacht in einem kongolesischen Gefängnis verbringen wollte. Visum und Gesetz waren auch nicht wichtig. Was zählte, war, wer eine AK-47 hatte und wer nicht. Wer in Afrika vor die Wahl gestellt wird, eine «Gebühr» zu zahlen oder die Willkür von hungrigen Milizionären zu spüren zu bekommen, dem ist immer geraten zu zahlen.

Ich war nur ein Durchreisender. Für mich war es bloss ein unangenehmer Nachmittag. Eine seltsame Erfahrung – so wie auch das Ziehen eines Backenzahns eine seltsame Erfahrung sein kann. Für Millionen von Kongolesen ist es der Alltag.

Menschen

Portrait eines Mannes in traditioneller Kleidung vor einem Geländefahrzeug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Als Fremder unterwegs. Patrik Wülser

«Jede Reportage hat viele Autoren, und es verdankt sich nur einer althergebrachten Praxis, dass wir den Text bloss mit einem Namen unterzeichnen», notierte einst der Afrikakorrespondent Ryszard Kapuściński. Als Fremder ist man auf Menschen angewiesen, die einem Geschichten aus ihrem Alltag erzählen, Kontakte verschaffen, beherbergen oder sicher durch fragiles Territorium führen. Samuel, der junge Samburu-Krieger im Norden Kenias, ist für mich so ein Mensch.

Teamfoto mit Lorian-Spielern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wer hat es erfunden? Patrik Wülser

Waren es wirklich die Briten oder vielleicht doch die Samburus? Die Samburus – ein Nomaden-Stamm im Norden Kenias – sind überzeugt, dass die Wurzeln des Rugby-Spiels bei ihnen liegen und nicht in England, wie fälschlicherweise immer wieder kolportiert werde. Zweimal pro Woche treffen sich die jungen Samburu Krieger in der staubigen Savanne zum Lorian-Spiel – oder eben Rugby – und haben dabei einen grossen Traum. Sie wollen der Welt zeigen, woher das Rugby-Spiel wirklich kommt – und insbesondere, wer die besten Spieler sind.

Zwei Albino-Menschen mit weiss-rosa Haut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Leda ist ein wertvolles Kind. Patrik Wülser

Allein für ihre Haut würden Händler 10'000 Franken bezahlen. Die Haut der 14-Jährigen Afrikanerin ist weiss-rosa. Leda leidet unter Albinismus. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren vier schwarzen Geschwistern lebt sie in einem kleinen Dorf in der malawischen Provinz. Die Lehmhütte der Familie darf sie nie unbegleitet verlassen, denn draussen könnten Menschenjäger lauern.

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