Smartphones Apple vergoldet sich das iPhone-Jubiläum

Gleich drei neue iPhones hat Apple vorgestellt. Eines davon ist das iPhone X (sprich: zehn) genannte Jubiläums-Modell. Das neue Gerät bricht mit Apple-Traditionen: Es hat keine Ränder mehr und der Home-Button ist verschwunden. An dessen Stelle kommt eine ganz neue Technologie zum Einsatz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Apple will mit einem radikal erneuerten iPhone einen neuen Standard bei Smartphones setzen.
  • Das neue Gerät bricht mit Apple-Traditionen: Es hat keine Ränder mehr und der Home-Button ist verschwunden.
  • Das iPhone X hat zudem einen neuen Bildschirm: Er soll Farben kräftiger leuchten lassen und keine Abstriche bei der Helligkeit machen.
  • Die Gesichtserkennung Face ID ist mit mehreren Sensoren dreidimensional, damit sie nicht mit einem Foto ausgetrickst werden kann.

Als Steve Jobs 2007 das erste iPhone vorstellte, jubelte die Menge. Vor Überraschung und Begeisterung. Als Jobs Nachfolger Tim Cook gestern das iPhone X präsentierte, zum ersten Mal im Steve Jobs Theater im neuen Apple Park, jubelten die Zuschauer ebenfalls. Begeistert, aber kaum mehr überrascht. Denn über das Jubiläumsmodell zum 10. Geburtstag des iPhones ist schon vor der Präsentation viel bekannt geworden – von den technischen Details bis zum Preis.

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Verfügbarkeit und Kosten

Verfügbarkeit und Kosten

iPhone 8 und 8 Plus sind ab dem 22. September in der Schweiz erhältlich. Sie werden in der günstigsten Ausführung 839 Franken bzw. 959 Franken kosten.

Das iPhone X ist in der Schweiz ab dem 3. November erhältlich. In seiner günstigsten Ausführung wird es 1199 Franken teuer sein.

Zum Missfallen von Apple war der Preis die im Vorfeld wohl am meisten diskutierte Eigenschaft des neuen Geräts. Denn mit 999 Dollar für die günstigste Variante ist das iPhone X das teuerste iPhone aller Zeiten. Es kostet gut doppelt so viel wie das erste iPhone vor 10 Jahren. In der Schweiz wird es gut 1200 Franken kosten.

Dieser stolze Preis hat damit zu tun, dass in Smartphones heute weit teurere Komponenten verbaut sind als früher. Aber auch damit, dass das Smartphone zum Statussymbol geworden ist, für das eine bestimmte Käuferschicht tief in die Tasche greift.

In der Vergangenheit hat sich denn auch gezeigt, dass ein hoher Preis keinen negativen Einfluss auf die Verkaufszahlen eines iPhones hat. Es wird geschätzt, dass Apples Marge gut 30 Prozent pro Gerät beträgt.

iPhone X soll 20 Prozent der Verkäufe ausmachen

In Gegensatz zu den meisten anderen elektronischen Geräten sind Apples Smartphones in den letzten 10 Jahren also nicht billiger geworden, sondern teurer. Das gilt auch für andere Hersteller: Samsung zum Beispiel kratzt mit dem neuen Galaxy Note 8 (im Gegensatz zum iPhone X allerdings ein sogenanntes «Phablet») ebenfalls an der 1000-Franken-Grenze. Mit solchen «Flagship-Phones» versuchen die Hersteller, aus der Masse herauszustechen und sich von der Konkurrenz abzugrenzen.

Apple-Manager Phil Schiller stellt die Gesichtserkennung des neuen iPhone X vor. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gesichtserkennung: Das iPhone X soll ein mathematisches Gesichts-Modell der Benutzer erstellen können, das Veränderungen zu erkennen lernt. Screenshot Apple

Analysten schätzen diese Strategie als erfolgsversprechend ein. Apples Börsenwert ist seit Jahresbeginn denn auch um mehr als 30 Prozent gestiegen. Es wird geschätzt, dass das neue iPhone X rund 20 Prozent der im nächsten Jahr verkauften iPhones ausmachen wird. Für preisbewusstere Kunden gibt es ältere Modelle und die gestern ebenfalls vorgestellten iPhones 8 und 8 Plus – die Nachfolger der iPhones 7 und 7 Plus.

Die beiden neuen Modelle verfügen über einen schnelleren Prozessor und eine bessere Kamera. Deren Stärke soll sich etwa bei der Portraitfotografie zeigen. Weil sich die Geräte dank einer gläsernen Rückseite auch kabellos per Dockingstation laden lassen, geht die Modellpflege sogar über das übliche Mass hinaus. Wohl deshalb hat sich Apple dazu entschieden, die beiden Smartphones nicht nach dem üblichen Muster 7s und 7s Plus zu nennen, sondern sie gleich eine ganze Nummer hochzustufen.

OLED kostet das Dreifache

Die wichtigsten technischen Neuerungen sind aber in das iPhone X geflossen. Neben einem schnelleren Prozessor, einer besseren Kamera und der Möglichkeit zum kabellosen Laden hat das Gerät einen ganz neuen Bildschirm erhalten, von Apple Super Retina Display genannt. Dieses OLED-Display soll Farben kräftiger leuchten lassen und anders als andere OLED-Displays keine Abstriche bei der Helligkeit machen.

Apple-Manager Phil Schiller bei der Vorstellung der neuen Animojis. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Animojis: Dank Gesichtserkennung sollen iPhone-X-Benutzer ihre Gesichtsbewegungen auf personalisierte Emojis übertragen können. Screenshot Apple

Der happige Preis des iPhone X hat auch mit diesem neuen Bildschirm zu tun. Apple soll für ein OLED-Display bis zu 130 Dollar zahlen müssen. Das ist gut dreimal mehr als ein herkömmliches LCD-Display kostet, das in anderen iPhone-Modellen zum Einsatz kommt.

Apple scheut diese Mehrkosten nicht, weil der Bildschirm zum wohl wichtigsten Teil des Smartphones geworden ist. Die Zahl der Videos, die wir auf mobilen Geräten schauen, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Sie liegt heute bei gut 50 Prozent. Um ein noch besseres Seherlebnis zu ermöglichen, verzichtet Apple beim iPhone X erstmals auf die Seitenränder des Bildschirms. Das rundum randlose Display kann mehr Bild anzeigen, ohne das Gerät selbst grösser zu machen.

Gesichtserkennung ersetzt Fingerabdruck

Allerdings: Randlose OLED-Display haben auch andere Smartphones, ebenso Features wie das kabellose Laden. Apple übernimmt mit seinem neuen Vorzeigegerät wieder einmal keine Pionierrolle, sondern beschränkt sich darauf, bestehende Technologien im richtigen Moment aufzunehmen und zu perfektionieren.

Das gilt auch für die Gesichtserkennung. Beim iPhone X löst sie den Fingerabdruckscanner ab, der zusammen mit dem Home-Button (der Knopf unten am iPhone) verschwunden ist. Die Möglichkeit, sein Smartphone mittels Gesichtserkennung zu entriegeln, gibt es auch bei der Konkurrenz. Doch dort haben Versuche gezeigt, dass es relativ einfach ist, die Kamera mit einem Foto oder Video zu narren.

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Was gab es noch zu sehen?

Was gab es noch zu sehen?

Das iPhone macht gut zwei Drittel des Umsatzes von Apple aus und ist enorm wichtig für das Unternehmen. Es stand deshalb im Zentrum der Präsentation. Neben neuen iPhones wurden u.a. eine neue Apple Watch vorgestellt, die auch ohne iPhone funktioniert und ein neuer Apple TV, der Videos mit 4K-Auflösung zeigen kann.

Maschinelles Lernen zur Gesichtserkennung

Apple glaubt nun, die Gesichtserkennung so perfektioniert zu haben, dass sie dem Fingerabdruck in Sachen Sicherheit und Bedienungsfreundlichkeit in nichts nachsteht. Möglich machen soll das maschinelles Lernen. Im neuen A11-Bionic-Chip des iPhone X ist dafür eine sogenannte «Neural Engine» integriert.

Der Chip schafft bis zu 600 Milliarden mathematische Operationen pro Sekunde und soll ein mathematisches Gesichts-Modell erstellen, das sich Veränderungen anzupassen lernt. Egal ob mit Mütze und Schal, Brille oder abrasiertem Vollbart soll das iPhone X seine Benutzer so jederzeit innert Millisekunden erkennen.

Wie zuverlässig das in der Praxis funktioniert, wird sich zeigen müssen. Ebenso, wie gut sich das iPhone mit den Wischgesten steuern lässt, welche die Funktionen des Home-Buttons übernehmen.

Eines ist allerdings jetzt schon sicher: Mit dem Verzicht auf den Home-Button und der neuen Gestensteuerung hat Apple beim iPhone X das bisher grösste Redesign in der 10-jährigen Geschichte des iPhones gewagt.

Bloss eine Frage blieb Tim Cook seinem Publikum schuldig: Ob es nach dem iPhone 8 auch ein iPhone 9 geben wird, wo doch das Jubiläumsmodell schon die Nummer 10 trägt.