Weitere Ausfälle am Mittwoch «Air Berlin hat eine starke Position in der Schweiz»

Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands (SRV), zeigt sich besorgt über die Wirren bei Air Berlin.

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Bildlegende: Walter Kunz ist Geschäftsführer des Reise-Verbandes, der Branchenorganisation der Schweizer Reisebüros. Keystone

SRF News: Machen Sie sich Sorgen um die Air Berlin?

Walter Kunz: Die Air Berlin hat bereits einen Konkurs angemeldet und benötigt jetzt Staatshilfe, sprich: Einen Überbrückungskredit, um die Flüge weiter am Laufen zu halten. Das macht uns natürlich Sorge, weil wir nicht wissen, wie lange das dauern kann und wie lange die finanziellen Mittel dafür ausreichen.

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Weitere Flugausfälle

Auch am Mittwoch kommt es zu zahlreichen Flugausfällen bei Air Berlin. Der Grund: Krankmeldungen von Piloten. Insgesamt werden 32 Flüge gestrichen. Ab Zürich fallen die Flüge nach Düsseldorf (2x) und Berlin aus. Die Flüge ab Basel und Genf sollen dagegen planmässig stattfinden, wie Air Berlin auf ihrer Internetseite mitteilt.

Eine Schlüsselfrage ist ja, ob Air Berlin an einen grossen Konkurrenten verkauft wird – etwa Lufthansa. Oder aber auf irgendeine Weise bestehen bleibt, wenn ein unabhängiger Investor einsteigen sollte. Welches Szenario wäre denn besser für die Schweizer Reisebüros und ihre Kunden?

Ich denke schon, dass für den Kunden als auch für die Reisebranche die zweite Lösung mit einem unabhängigen Investor von Vorteil wäre. Air Berlin hat eine starke Position in der Schweiz, ist nach Swiss und der Lufthansa-Gruppe die Nummer zwei – vor allem in Zürich. Und wenn dieses Unternehmen nun von der Lufthansa komplett übernommen würde, dann käme es zu einer Monopolstellung – was sich natürlich auf den Preis auswirken würde.

«  Wenn dieses Unternehmen nun von der Lufthansa-Gruppe übernommen würde, dann käme es zu einer Monopolstellung. »

Walter Kunz
Geschäftsführer Schweizer Reise-Verband

Die Vorgeschichte

  • Die Fluggesellschaft Air Berlin strich am Dienstag über 100 Flüge – wegen «ungewöhnlich vielen Krankmeldungen der Piloten».
  • Am Mittwoch fallen erneut 32 Flüge der angeschlagenen Airline aus.
  • Das Management spricht von einer existenzbedrohenden Entwicklung, nur wenige Tage vor der Entscheidung über die Zukunft der Fluggesellschaft.

Das heisst: Die Flugtickets könnten dann teurer werden, wenn Air Berlin als Billig-Airline ganz aus dem Markt verschwindet?

Die könnten durchaus teurer werden, weil eben das Angebot dann auch knapper wird und somit die Nachfrage vermutlich das Angebot übersteigen dürfte.

«  Wenn ein Reisebüro einen Flug vermittelt hat – sprich eine Einzelleistung – dann haftet das Reisebüro nicht. »

Nun sind zum Teil die Schweizer Reisebüros auch direkt finanziell von diesen Wirren um Air Berlin betroffen. Wie konkret?

Grundsätzlich gilt es zwei Fälle zu unterscheiden: Wenn ein Reisebüro einen Flug vermittelt hat – sprich eine Einzelleistung – dann steht das Reisebüro nicht in der Haftung. Denn dann kommt der Vertrag zwischen dem Kunden und der Airline zustande, und das Reisebüro ist lediglich der Vermittler dieser Leistung.

Wenn ein Kunde aber eine Pauschalreise im Reisebüro gebucht hat – beispielsweise einen Flug der Air Berlin nach Mallorca, ein Hotel, Transfers oder Ähnliches – und das ein Gesamtpaket war, dann steht das Reisebüro, respektive der Reiseveranstalter, in der Pflicht. Das heisst: Er untersteht dem Pauschalreisegesetz und muss dem Kunden eine gleichwertige Alternative zur gebuchten Reise anbieten.

Das Gespräch führte Jan Baumann.