Neu im Kino «The Promise»: Aufarbeitung mit Anlauf

Mit «The Promise» befasst sich Hollywood erstmals mit dem Völkermord an den Armeniern – einem Stück Geschichte, das einen besseren Spielfilm verdient hätte.

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Neu im Kino: «The Promise»

0:50 min, vom 6.9.2017

Über 120’000 Bewertungen konnte «The Promise» auf der Internet-Filmdatenbank IMDb am 19. April 2017 verzeichnen. Keine schlechte Bilanz – besonders angesichts der Tatsache, dass der Film erst zwei Tage später in den US-Kinos anlief.

Die Vorstellungen davor beschränkten sich auf drei Filmfestivals. Auch das Verhältnis zwischen guten und schlechten Bewertungen liess staunen: Jeweils zur Hälfte wurde «The Promise» entweder mit zehn Punkten – oder einem bewertet.

Der Film ist ein konventionelles, biederes Historiendrama, das sich mit dem Genozid an der armenischen Minderheit im Osmanischen Reich beschäftigt. Der hat zwischen 1915 und 1922 stattgefunden.

Clark Gable im Anzug. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In den 30er-Jahren ein aufstrebender Star in Hollywood: Clark Gable. IMAGO/CINEMA PUBLISHERS COLLECTION

Ärger mit dem Aussenministerium

Damit wagt sich Hollywood zum ersten Mal an dieses Thema – allerdings mit Anlauf: Bereits 1934 planten die MGM Studios eine Verfilmung des Romans «Die vierzig Tage des Musa Dagh» von Franz Werfel. Für die Hauptrolle war ein gewisser Clark Gable vorgesehen. Damals einer der grossen Stars in Tinseltown.

Seinen Text musste Gable allerdings nie lernen – das US-Aussenministerium übte solange Druck auf MGM aus, bis die Studios klein beigaben. Man wollte es sich nicht mit der türkischen Regierung verscherzen.

Mit widrigen Umständen sahen sich auch die Schöpfer von «The Promise» konfrontiert, gut 80 Jahre später. Keine der grossen Produktionsfirmen in Hollywood wollte sich selbst freiwillig vom türkischen Markt nehmen.

Kirk Kerkorian. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grosszügiger Gönner: Kirk Kerkorian. Keystone

Seifenopernwürdige Dreiecksbeziehung

Dass der Film es weltweit auf die grosse Leinwand geschafft hat, ist allein Kirk Kerkorian zu verdanken. Der armenisch-stämmige US-Milliardär – und ehemalige MGM-Chef – erklärte sich bereit, «The Promise» aus eigener Tasche zu finanzieren; mit einem Budget von schätzungsweise 90 Millionen Dollar.

Kerkorian blieb es nicht vergönnt, sich den Film anzusehen: Er verstarb im Juni 2015, wenige Tage nach seinem 98. Geburtstag, in seiner kalifornischen Heimat.

So blieb es ihm zumindest erspart, zu sehen, wie Regisseur und Co-Drehbuchautor Terry George den Völkermord an den Armeniern in «The Promise» zugunsten einer seifenopernwürdig flachen Dreiecksbeziehung in den Hintergrund rückt.